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 published: 2009-06-30

Im Mittelpunkt der Mensch

Fünfzig Jahre Schönstatt-Heiligtum in München

 

Zum Abschluss des Goldenen Jubiläums des Heiligtums in München steigen Hunderte von Luftballons in den Himmel

Jubileo de Oro del Santuario de Munich: Cierre  con cientos de globos

Golden Jubilee of the Shrine in Munich : Closing with hundreds of balloons

Zum Abschluss des Goldenen Jubiläums des Heiligtums in München steigen Hunderte von Luftballons in den Himmel

 

Podiumsgespräch

Panel

Panel

Podiumsgespräch

 
Das Hörbuch mit Texten von Pater Kentenich haben Sie noch nicht???  

Ofreciendo los CDs con textos del Padre Kentenich

Offering the CDs with texts of Father Kentenich

Das Hörbuch mit Texten von Pater Kentenich haben Sie noch nicht???

 
Konzert mit Wilfried Röhrig und Armin Jan  

Concierto con Wilfried Röhrig y Armin Jan

Concert with Wilfried Röhrig and Armin Jan

Konzert mit Wilfried Röhrig und Armin Jan

 
Ein Vertreter der Schönstattfamilie von Ungarn überreicht ein Geschenk  

Un regalo de la Familia de Schoenstatt de Hungría

A gift offered by the Schoenstatt Family of Hungary

Ein Vertreter der Schönstattfamilie von Ungarn überreicht ein Geschenk

 
P. Heinrich Walter bei der Predigt  

P. Heinrich Walter durante la prédica

Fr. Heinrich Walter during the sermon

P. Heinrich Walter bei der Predigt

 
Liebe zum Heiligtum…

Un Santuario dulce...

A sweet Shrine

Liebe zum Heiligtum…

Fotos: M.K.Fischer © 2009

Álbum de fotos – photo album – Fotoalbum

 

 

 

DEUTSCHLAND, mkf. "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" Es wäre ein passender Bildtitel unter einem der Fotos vom Jubiläumsfest des Heiligtums in München. Und das nicht nur beim Luftballonsteigen nach dem Festgottesdienst, sondern schon in den Tagen zuvor hatten Helfer und Verantwortliche des Jubiläumsfestes in München immer wieder unverwandt zum Himmel emporgeschaut, angesichts bedrohlicher Wettervorhersagen für dieses letzte Juniwochenende und der Gewittergüsse, die am letzten Tag vor dem Fest auch über dem schönen Gelände des Heiligtums im Schatten der Hochhäuser der Parkstadt Solln im Süden Münchens heruntergingen. Und der Blick unverwandt hinauf zum Himmel passte genau zum Thema des Festes: Im Mittelpunkt der Mensch. Erst der Blick nach oben, zu dem, was Gott vom Menschen meint, gibt jenen Blick auf den Menschen, der seine ganze Würde und Größe in die Mitte stellt.

Mit dem Jubiläumsfest am 28. Juni ging eine Serie von vier Festveranstaltungen zum Goldenen Jubiläum des Heiligtums in München zu Ende. Am 23. Mai hatte die Jugend im Mittelpunkt gestanden mit der Maifeier, zu der auch Erzbischof Dr. Reinhard Marx gekommen war. Am 31. Mai dann feierte die Schönstattfamilie mit einem Festgottesdienst den eigentlichen Weihetag ihres Heiligtums, am Wochenende darauf war Dankwallfahrt nach Schönstatt – Ereignisse, die man im Raum "Theresia" den ganzen Tag über nacherleben konnte. Vertreter der Bewegungen und Gemeinschaften, mit denen im Geist des "Miteinander" gerade hier in München eine herzlich, freundschaftliche Beziehung besteht, waren zu diesem Fest gekommen, ebenso Vertreter der Pfarrei und natürlich die Schönstatt-Bewegung von München, den umliegenden Diözesen sowie viele Freunde – insgesamt wohl um die 400 Personen. Gut gelaunt begrüßten die beiden Moderatoren Michael Kiess und Johannes Rutzmoser die Anwesenden, besonders Pater Heinrich Walter, den Vorsitzenden des Generalpräsidiums des Schönstattwerkes, und Pater Dr. Lothar Penners, den Leiter der Schönstatt-Bewegung in Deutschland.

Steht der Mensch im Mittelpunkt oder der Beifall?

Im Mittelpunkt der Mensch – in der Familie, in den Medien, in der Wirtschaft, in der Jugendarbeit: geht das überhaupt, und wenn, wie ist es möglich? Unter der Moderation von Prof. Dr. Joachim Söder, Aachen, sprachen Andrea Fleming (freie Mitarbeit beim Bayerischen Rundfunk, PR-Arbeit und Pressearbeit der Fokolar-Bewegung), Andreas Obermeier (Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, Mitgründer einer Immobilien-Investmentgesellschaft), Prof. Dr. Werner Hübner (CVJM, Lehrbeauftragter an der Hochschule München), Schwester Amica Ganslmeier (Oberin der Schwestern vom Guten Hirten, Jugendhilfeeinrichtung) und Ehepaar Prof. Dr. Ing Gebhard Wulfhorst und Claudia Wulfhorst-Flesch (Schönstatt-Bewegung, Sonderpädagogin /Professor an der TU München) aus ihren jeweiligen beruflichen und gesellschaftlichen Erfahrungsfeldern darüber, wie der Mensch im Mittelpunkt stehen kann und welchen Herausforderungen man begegnet, wenn man sich um diese Haltung bemüht.

"Im Mittelpunkt der Mensch", so Andrea Fleming, stehe heute in wohl 80% aller Leitbilder und finde 100 % Zustimmung. Doch wenn es in die konkrete Berufsarbeit geht, wo steht dann der Mensch? Steht im Mittelpunkt meines journalistischen Arbeitens wirklich immer der Mensch, oder eben doch die Nachricht, der Beifall, den ich dafür bekomme, oder das Geld, das sie mir einbringt? Eine Frage, die mitging… "Ein Mensch ist mehr wert als eine ganze Welt" – die Maxime ihrer Ordensgründerin prägt die Arbeit von Sr. Amica mit Jugendlichen, die in der Gesellschaft nicht zurecht kommen und die oft "mehr mitgemacht haben, als die meisten hier sich je vorstellen können." Familie und Kirche einerseits, Wirtschaft andererseits: für Andreas Obermeier liegt die Herausforderung in dem in beiden Lebensräumen so unterschiedlichen Blick auf den Menschen. Im Mittelpunkt des Handelns in der Wirtschaft stehe zu oft – und dies auch mit dem aktuellen Bezug der Wirtschaftskrise – der Mensch im Sinne des eigenen Ego, des eigenen Gewinns – ohne Blick auf die Konsequenzen für ein ganzes Unternehmen oder den gesellschaftlichen Solidar-Zusammenhalt. Veränderung sei, so Obermaier, durch das eigene Beispiel möglich. Er hat es erfahren! Immer wieder gelte es, die eigene Motivation zu hinterfragen und in der Arbeit dem Gegenüber Raum zu geben, zu hören, was der andere etwa in einem Interview eigentlich sage, ihn nicht zu instrumentalisieren für ein Thema: eine tägliche Herausforderung.

Das Gute im Menschen sehen, das Wertvolle in Kindern und Jugendlichen stärken, ihnen zugestehen, ihren Weg zu gehen – dazu brachte Ehepaar Wulfhorst sprechende Beispiele aus ihrem Erfahrungsraum mit Familien. "Es gilt, dieses einzigartige Leben, das ich habe, zu gestalten" – eine Sichtweise, die die beiden von Pater Kentenich gelernt haben und die zur Maxime in der Erziehung der Kinder wird. Oder mit den Worten von Schw. Amica auch im Blick auf den Menschen, in dem sich vielleicht, wie Pater Kentenich einmal sagte, das Bild Gottes vom Menschen in verzerrten Zügen zeigt: "Ich muss daran glauben, tief drinnen ist ein wunderbarer Kern".

Brennende Themen: Alter und Ehe

Nach der Pause wurden die Fragen aus dem Publikum in zwei Schwerpunkten gebündelt, die sich ganz offensichtlich herauskristallisiert hatten: Umgang mit dem alten Menschen, und die Frage nach dem Scheitern oder Glücken der Ehe. Ehe ist Berufung, so Ehepaar Wulfhorst-Flesch, und damit die Ehe nicht auf der Strecke bleibe, gelte es immer wieder auch zu fragen: Wofür gibt es uns als Ehepaar, uns als Familie? Andrea Fleming wies auf die Marriage Week hin, eine Initiative, die in München wie auch an anderen Orten Deutschlands gerade auf diesem Hintergrund in Zusammenarbeit von vielen Bewegungen und Initiativen erstmals stattgefunden hat.

Im Umgang mit dem alten Menschen sei es wichtig, so Professor Hübner, auch die Perspektive des neuen, des ewigen Lebens bei Gott, des Lebens nach dem Sterben, zu sehen und zu thematisieren. In allem gelte, so die Podiumsteilnehmer am Schluss, gemeinsam mit anderen und mit der Kraft guter Erfahrungen den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, sich immer wieder darauf zu besinnen, dass der Mensch, der einzelne, konkrete Mensch, mit wichtig und wertvoll sein kann und muss, weil er Gott wichtig und wertvoll ist – so wie er ist.

Kleines "Miteinander" einfach so

Das Mittagessen ist so organisiert, dass auch hier der Mensch im Mittelpunkt steht – langes, aber nicht langweiliges Anstehen in einer Schlange, die sich labyrinthartig und in einer Richtung zu den Essensausgaben hin und dann wieder zum Zelt zurück bewegt, mit viel Raum für Gespräch und Austausch.

Kindermitmachkonzert und buntes Kinderprogramm, Workshops, Tombala, Bücher- und Andenkenverkauf, Meditation, Ausstellung – es ist ein interessantes, buntes Programm, das die Teilnehmer des Festes am Nachmittag erwartet. Jugendliche bieten nebenbei freundlich-konsequent die CDs an, auf der sie Kentenichtexte lesen, überall stehen Grüppchen beieinander, in einer Ecke wird das "Stay and Pray" am nächsten Wochenende geplant, in einer anderen trifft sich ein spontanes "Miteinander" aus CVJM, Equipe Notre Dame, Schönstatt und Fokolar-Bewegung. Dass dabei Vertreter der Fokolar-Bewegung Schönstätter miteinander bekannt machen und jemand von Equipe Notre Dame anderen die Schönstätter Marienverehrung erläutert, gehört zu den kleinen Highlights dieses Gesprächs. Professor Hübner erzählt begeistert von den Ausführungen Pater Heinrich Walters zur internationalen Schönstatt-Bewegung und den geradezu klassischen Feldern des strategischen apostolischen Einsatzes, von denen er gesprochen habe…

Ein heftiger Gewitter-Regen kommt, als die meisten sowieso im Haus sind und alle diesen unverwandten Blick zum Himmel schon fast vergessen hatten.

Steht der Mensch im Mittelpunkt?

Steht der Mensch wirklich im Mittelpunkt, so fragte Pater Heinrich Walter bei der Predigt im Festgottesdienst. Steht er im Mittelpunkt in diesem Wahlkampf, in unserem Wirtschaftsgebaren, im Gesundheitswesen, selbst in der Kirche? Pater Walter erinnerte an das Lied "Mensch" von Herbert Grönemeyer: "Er hatte zwei wichtige Personen seines Umfelds verloren, seine Frau und seinen Bruder. Ich glaube sogar in der gleichen Woche. Er hat zwei Jahre lang keine Musik mehr machen können und das erste Lied nach der großen Trauerphase hieß einfach "Mensch". Der Mensch heißt Mensch, heißt es dort, weil er irrt, weil er kämpft, weil er hofft und weil er liebt. Weil er mitfühlt und vergibt, weil er lacht, weil er lebt. DU fehlst. Und das kommt immer wieder, eine Art Refrain. Weil er lacht, weil er lebt. DU fehlst. Ja, manchmal ist es so: Was der Mensch wert ist, was ein Mensch mir wert ist, wird erst richtig bewusst, wenn er dann fehlt. Wenn er weg ist, wenn er vielleicht für länger auf einer Reise ist, oder wenn er ganz weggenommen wird, wenn er stirbt. Im Mittelpunkt der Mensch."

Im Blick auf die wachsende Bedeutungslosigkeit geographischer Entfernungen sagte Pater Walter, dass gerade die westlichen Völker eine Riesenverantwortung haben: "Die Völker der Welt schauen auf diesen westlichen Menschen, den wir darstellen und viele Völker der Welt kopieren ihn gedankenlos. Oft so, dass es einem Angst werden kann und es tut mir besonders weh, wenn ich so ganz zufriedene Gesichter wie erst vor wenigen Tagen in Afrika sehe. Menschen, die mit ihrem Leben zurechtkommen, die ganz hingegeben sind für das was ist und für den lieben Gott allzumal und die dann gedankenlos einfach alles kopieren, was in der westlichen Welt geschieht, weil es das Eigentliche ist, die Zukunft, die Errungenschaft, der Fortschritt. So frage ich, für unsere Meditation, welcher Mensch ist im Mittelpunkt? Um welchen Menschen geht es uns?"

Im Mittelpunkt der Liebe Gottes steht der Mensch

Für uns Christen und auch für uns in einer besonderen Weise als Schönstätter, ist der Mensch ‚Mensch’, weil er berufen ist. "Weil er den Ruf gehört hat, weil er von Gott ins Leben gerufen wurde, weil er mit einem Namen und einer Berufung ausgestattet wurde, weil wir darin Erben Gottes sind. Ist das Selbstbesitz bei uns, in unserem Leben, bei unserer Lebensgestaltung? Geliebt sein, gut sein, so wie ich bin und zuerst geliebt sein. Wir in Schönstatt sprechen vom neuen Menschen. Von einem neuen Menschen für unserer Zeit, von einem neuen Menschen- Typ, der für den Gründer, den wir von unserer Spiritualität, von unserem Charisma her glauben zu können das er sich entwickelt, dass er Gestalt annimmt. Also ein Mensch, der sich geliebt weiß. Der nicht nur geliebt ist, sonder sich auch geliebt weiß, es glauben kann! Und dann würde der Satz eben heißen: Nicht nur im Mittelpunkt der Mensch, sondern im Mittelpunkt der Liebe Gottes steht der Mensch." Von der Spiritualität Schönstatts her gehe es genau darum, das Bewusstsein zu pflegen, geliebt zu sein von Gott, persönlich und bedingungslos. Für uns westlich geprägte Menschen sei das "eine mühselige Arbeit" angesichts der Relativierung, des permanenten Angriffs auf das Selbstwertgefühl. Wir müssten wissen, "dass dies für uns eine ganz große Leistung ist, wenn wir anfangen, sagen zu können: "Ich bin überzeugt, dass Gott mich unheimlich lieb hat." Pater Kentenich sagt: "Nur wer sich vom Lichtstrahl Gottes persönlich sich getroffen erlebt, wird all diese Selbstzweifel überwinden können. Das ist mit menschlichem Maß nicht machbar." Der neue Mensch. Der neue Mensch, der aus diesem Vorgang, gerufen zu sein, geliebt zu sein, zuerst geliebt zu sein dann seine Antwort gibt und zum Partner Gottes wird, indem er auf die Liebe Gottes reagiert."

Und im Blick auf die Sendung des Münchner Heiligtums von der Kindlichkeit: "Wenn es uns gelingt, auf der Höhe der Zeit, in der wir leben, auf der Höhe des Fortschrittes einen Menschen-Typ heranzubilden, einen neuen und freien, einen starken und einen von Liebe durch-seelten Menschen- Typ, dem es glückt, in und mit all diesen Errungenschaften spontan, direkt, naiv zu Gott zu finden, dann denke ich haben wir einen Weg in die Zukunft geöffnet. Wenn uns das nicht gelingt und wenn wir dann am Schluss nur ein paar wenige sind, die das irgendwo, vielleicht in den Sakristeien der Kirche, hinüberretten wollen, dann werden wir den Völkern, die rein zahlenmäßig die Zukunft der Welt gestalten werden, das Handwerkszeug nicht an die Hand geben können, das sie brauchen, und die sich so stark an uns orientieren."

Aus dem Kleinen etwas Großes

"Hier in München, in Klein- Schönstatt, war immer ein Ort mit großen Idealen", so Pater Walter. "So hat das Ganze hier angefangen. Und man hat die großen Ideale auch immer wieder neu inspiriert durch dieses Zueinander der großen Häuser und dem kleinen Heiligtum und gesagt, hier soll wie in Bethlehem etwas Großes entstehen. Also etwas, das Leuchtkraft hat und dem es nicht um Zahlen geht, sondern eben um die Kraft, die drinnen ist, in diesem Sauerteig. Es geht meiner Meinung nach um Heiligkeit, um nichts weniger. Und alles, was uns hier mit der Kapelle und den fünfzig Jahren beschäftigt, dem Wirken der Muttergottes bei den Leuten, die sich ihr öffnen in diesem Heiligtum, um alles was uns mit der Spiritualität von Schönstatt beschäftigt, alles hat das Ziel, das ein Typ von Heiligkeit entsteht. Ein Heiliger, der Orientierung gibt, ein Heiliger, der eine innere Ausstrahlung hat, an dem sich Menschen orientieren können."

Nach dem Gottesdienst ging es in Prozession zum Heiligtum, wo alle miteinander das Liebesbündnis erneuerten – und dann stiegen Hunderte von bunten Luftballons in die Luft zum Abschluss eines rundum geglückten Festes! Und der Blick zum Himmel, der Luftballons hinterher, hatte so gar nichts Besorgtes mehr...

Das heißt, ganz Schluss war noch nicht, denn die Unentwegten erwartete noch ein Abendessen mit tollen Überraschungen!

 


 

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Last Update: 12.08.2009