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 published: 2009-04-07

Eine Aus(lands)zeit auf der Südhalbkugel

Kathrin Frentzen war ein halbes Jahr in Brasilien - Erfahrungen, die prägen

 

Désirée, Kathrin, Sabine und Christine bei einem Ausflug in einen Park in der Nähe von Atibaia

Désirée, Kathrin, Sabine y Christine durante un paseo en un parque cerca de Atibaia

Désirée, Kathrin, Sabine and Christine during a walk in a park near Atibaia

Désirée, Kathrin, Sabine und Christine bei einem Ausflug in einen Park in der Nähe von Atibaia

 

Juvenato – Wohnhaus für die Juvenistinnen und uns vier auf dem Geländer der Marienschwestern

El juvenato – casa de las juvenistas y de las cuatro jóvenes de Alemania en el terreno de las Hermanas de María

The juvenato, the home of the juvenistas and the four girls from Germany, at the land of the Schoenstatt Sisters of Mary

Juvenato – Wohnhaus für die Juvenistinnen und uns vier auf dem Geländer der Marienschwestern

 
Kleiderbasar im neu aufgebauten Projekt, das eingenommene Geld unterstützt den Ausbau des Projektes  

Bazar de ropas

Clothing bazaar

Kleiderbasar im neu aufgebauten Projekt, das eingenommene Geld unterstützt den Ausbau des Projektes

 
Wir vier mit der Schönstattjugend in Poços de Caldas, im Hintergrund der Lastwagen in dem die gesammelten Kleider und Lebensmittel transportiert wurden  

Las jóvenes de Alemania con la Juventud de Schoenstatt de Poços de Caldas, en el fondo el camión para el trasporte de ropas y alimentos

The four girls from Germany with the Schoenstatt Youth of Poços de Caldas, in the background the truck for the transport of food and clothing

Wir vier mit der Schönstattjugend in Poços de Caldas, im Hintergrund der Lastwagen in dem die gesammelten Kleider und Lebensmittel transportiert wurden

 
Der zweijährige Gabriel isst Schokoladeneis beim Karnevalsfest in der Kindertagesstätte  

Gabriel, 2, en el Hogar de Niños – con helado, durante la fiesta de carnaval

Gabriel, 2, in the Day Care Center – with icecream all over, during carnival

Der zweijährige Gabriel isst Schokoladeneis beim Karnevalsfest in der Kindertagesstätte

 
Die drei verkleideten Mädchen präsentieren stolz ihre selbst gebastelten Steckenpferde aus alten zwei Liter Plastikflaschen  

Las niñas presentando, con orgullo, sus caballitos de juguete, hechos de botellas de agua

The girls proudly present their hobby-horses, made of plastic bottles

Die drei verkleideten Mädchen präsentieren stolz ihre selbst gebastelten Steckenpferde aus alten zwei Liter Plastikflaschen

 
Blick auf den Innenhof mit dem kleinen Spielplatz in der Kindertagesstätte von Atibaia

Parque infantil en el Hogar de Niños

Playground at the Day Care Center

Blick auf den Innenhof mit dem kleinen Spielplatz in der Kindertagesstätte von Atibaia  

Fotos: Frentzen © 2009

 

 

 

BRASILIEN, Kathrin Frentzen. Seit etwas mehr als drei Wochen bin ich nun wieder in Deutschland und versuche mich langsam an das kalte Klima zu gewöhnen. Ein halbes Jahr habe ich in Brasilien verbracht und dort den heißen brasilianischen Sommer erlebt, das fröhliche aufgeweckte Leben mit bekommen und die berühmte südamerikanische Gastfreundschaft genossen.

Aber ich will ganz von vorne berichten: Am 15.September waren alle Vorbereitungen abgeschlossen und endlich war der Tag des Abfluges da. Mit riesigem Koffer ging es zum Frankfurter Flughafen und dort habe ich meine drei Begleiterinnen getroffen, denn ich sollte die große Reise nicht alleine antreten. Mit mir flogen Christine Geier, Désirée Wollenschläger und Sabine Niedeggen. Wir waren uns nicht ganz unbekannt, denn wir hatten uns bei den Vorbereitungstreffen in Schönstatt schon kennen gelernt. Die Aus(lands)zeit ist ein von der Schönstatt-Bewegung organisiertes Programm, das jungen Frauen ermöglicht, einige Zeit bei Schönstatt-Schwestern in anderen Teilen der Welt zu wohnen und neue aufregende Erfahrungen zu sammeln.

Ankunft im grünen Brasilien

Nach zwölfstündigem Flug stiegen wir vier ziemlich nervös aus dem Flugzeug, ungewiss, was uns auf der anderen Erdhalbkugel im fernen Brasilien erwartet.

Doch wir hätten uns gar nicht viele Sorgen machen müssen, denn wir wurden von zwei Schwestern und zwei jungen Mädchen am Flughafen herzlich empfangen. Beide Schwestern konnten deutsch, mit den Mädchen konnten wir gleich mal ausprobieren, wie weit uns unser selbst erlerntes Portugiesisch bringt. Mit Händen und Füßen haben wir dann wenigstens den Namen und das Alter der beiden erfahren können. Nach einstündiger Fahrt kamen wir an unserem Ziel Atibaia an. Atibaia liegt ca. 65km nördlich von São Paulo entfernt und ist mit seinen 121.000 Einwohnern im brasilianischen Vergleich eine Kleinstadt. Etwas außerhalb vom Stadtkern liegt das Anwesen der Schwestern. Staunend saßen wir am Fenster des weißen Vans, fuhren an rot blühenden Rosen und großen Palmen vorbei, hinauf zu unserem neuen "Zuhause".

Bis vor die Haustür des in eierschalenfarben gestrichenen Hauses fuhr der Fahrer uns und stellte unsere schweren Koffer in den überdachten Eingangsbereich des Juvenato.

In diesem geräumigen, hellen Haus sollten wir für mit den Juvenistinnen wohnen. Juvenistinnen sind junge Mädchen bzw. Frauen, wie die beiden, die uns vom Flughafen abgeholt haben, im Alter von 14 – 24 Jahren. Sie wollen herausfinden, ob sie die göttliche Berufung zur Schwester haben, deshalb wohnen sie auf dem Gelände mit den Schwestern und nehmen an deren Leben teil. Wie wir arbeiten auch sie im Haus, in der Spülküche oder bei den Wallfahrten mit. Nebenbei gehen einige von ihnen noch zur Schule und nehmen natürlich auch an den gemeinsamen Gebets- und Essenszeiten teil. In unserer Zeit mit ihnen haben wir viel von ihrer Lebensfreude erfahren und jedes Vorurteil, dass nur verkalkte Frauen, die keinen Mann abkriegen, Schwestern werden, ist uns nur noch ein müdes Lächeln wert. Es waren ganz normale Mädchen, die gerne Spiele wie UNO spielen, Ausflüge machen und zum "Roten Pferd" (Karnevals-Lied aus Deutschland) tanzen.

Sie spüren jedoch tief in ihrem Inneren eine Berufung und versuchen im Juvenato, mit Hilfe der Schwestern diese zu erforschen und ihr zu folgen.

Unsere Aufgaben waren teilweise ähnlich mit denen der Juvenistinnen, wir mussten für Unterkunft und Verpflegung vier Stunden am Tag arbeiten und haben in diesem halben Jahr wohl alle erdenklichen Arbeiten verrichtet: Putzen, Spülen, Abtrocknen, Rosen schneiden, Blumengestecke kreiere, backen, waschen.

Strahlende Kinderaugen

Doch das war nicht alles, denn zwei von uns konnten jede Woche mit in die Kindertagesstätte, die die Schwestern in Atibaia aufgebaut haben. Dort haben wir den Morgen verbracht, mit den Kindern gespielt, das Essen serviert und Feste mit den Kindern gefeiert. Die Familien der Kinder kommen oft aus sehr armen Verhältnissen, die Schwestern versuchen sie durch Lebensmittelpakete und Hausbesuche zu unterstützen, um ihnen trotz Armut ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Die Arbeit mit den Kindern gehörte für mich zu den schönsten Erlebnissen in Brasilien. Auch wenn sie oft nicht verstanden haben, warum unser Portugiesisch komisch klingt oder warum wir sie nicht verstehen, haben sie uns soviel Freude geschenkt. Sie waren überhaupt nicht ängstlich und kamen gleich am ersten Tag auf uns zu, um in den Arm genommen zu werden und haben uns mit ihrem strahlenden Lächeln in ihren Bann gezogen.

In einem halben Jahr ca. 3780km durch Brasilien

Doch auch ansonsten haben wir die berühmte brasilianische Gastfreundschaft live miterleben können. Schon an unserem zweiten Wochenende hat uns eine Familie nach São Paulo eingeladen. So lief es oft, wenn Jugendliche oder Familien aus der Schönstatt-Bewegung hörten, dass vier junge Deutsche in Brasilien sind, sie haben uns herzlich in ihr Haus eingeladen. So waren wir zwei Wochenenden in São Paulo, ein Wochenende in São José dos Campos und ganze drei Wochen in Rio de Janeiro und Umgebung.

Ich habe mich oft gefragt, wie ich wohl noch vor wenigen Monaten reagiert hätte, wenn ein Brasilianer bei uns in der Nähe gewesen wäre, hätte ich ihn einfach mal eingeladen, ein Wochenende bei mir zu verbringen? Die Antwort wäre eher negativ, ich kenne ihn ja gar nicht, wäre meine Ausrede gewesen. Doch, warum eigentlich nicht? Warum sollte ich nicht einfach mal fragen, ob er Lust hätte etwas zu unternehmen?

Doch auch die Schwestern waren immer bereit uns vier aufzunehmen und so hatten wir viele Möglichkeiten, die unterschiedlichsten und aufregendsten Orte kennen zulernen.

Immer wenn wir bei den Schwestern gewohnt haben, haben wir drei bis vier Stunden am Tag gearbeitet. Dabei sah unsere Arbeit ganz verschieden aus.

In Londrina und Curitiba, beide Städte liegen im Bundesstaat Paraná südlich von São Paulo, waren wir für einen Großteil der Weihnachtsplätzchen zuständig.

Backen unter Extrembedingungen

In Curitiba haben wir dann auch noch unter Extrembedingungen gebacken. Das kleine gemütliche Haus "Nazaré" wird normalerweise als Ferienhaus von den Schwestern genutzt. Nun duften wir es für einige Tage bewohnen. Dort haben wir dann die meisten der ca. 1200 Plätzchen in einem kleinen, alten Gasofen gebacken. Auf den Stühlen, auf den Tischen, auf der Küchenablage, überall stapelten sich die ungebackenen Plätzchen. Es passten immer nur zwei Bleche in den Ofen und bei diesen musste man dann auch noch aufpassen, dass bei der unregelmäßigen Hitze, die ersten nicht schon schwarz wurden, während die anderen noch hellgelb auf dem Blech lagen. Die fertigen Plätzchen standen auf unserer kleinen Terrasse zum Auskühlen. Die Pilger, die an diesem Sonntag am Heiligtum waren, hatten wohl gerochen, was wir da taten und so kamen zwei ältere Frauen geradewegs durch unser quietschendes Gartentor auf die Terrasse, um uns einige von den Plätzchen abzukaufen. Wir mussten sie leider enttäuschen, denn es fehlten noch Dinge wie der Zuckerguss.

Sozial in Brasilien

In Poços de Caldas stand das soziale Projekt, welches dort von der Schönstatt Bewegung aufgebaut wird, an erster Stelle unseres Arbeitsplans.

In einem kleinen, gemieteten Einfamilienhaus wurden Koch- und Nähkurse für Frauen und ein Malkurs für Kinder angeboten. Zur Weihnachtszeit passend malten sie Weihnachtsmänner, Tannenbäume und sogar Schneemänner, obwohl sie noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen hatten. Doch durch die Globalisierung kommt der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten inzwischen auch bis nach Brasilien geflogen. Mit der Mädchen- und Mannesjugend von Poços de Caldas haben wir in einer Pfarrgemeinde Kleidung und Lebensmittel an den Häusern gesammelt. Die gesammelten Sachen wurden aufgeteilt, eine Hälfte bekam die Gemeinde, die andere die Schönstatt-Bewegung. Wir haben dann mit anderen Freiwilligen einen kleinen Kleiderbasar auf der Veranda des Einfamilien-Hauses aufgebaut. Auf weißen Plastiktischen sortierten wir die Kleidung nach Art und Bestimmung, um sie dann den Leuten zum Verkauf anzubieten.

Die Einnahmen kamen dem Projekt zu Gute.

Fortsetzung folgt

So ging es weiter - für uns neue Orte, neue Leute, neue Aufgaben. Wir waren drei Wochen in Rio de Janeiro und Umgebung unterwegs, wir haben die berühmten Wasserfälle am Ländereck Paraguay, Argentinien, Brasilien besucht und an jeder unserer Stationen kleine Abenteurer erlebt.

Deshalb möchte ich euch das nächste Mal auf eine spannende Autoreise mit bösem Ende mit nehmen, über unsere Hardcore-Sightseeingtour mit einem ehemaligen General erzählen und mit euch ein paar Mal Bus in Brasilien fahren.

Doch das alles kommt erst in der Fortsetzung in "Eine Aus(lands)zeit auf der Südhalbkugel"

 


 

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Last Update: 07.04.2009