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 published: 2009-04-28

Verantwortung nicht nur für unsere Taten, sondern auch für deren Folgen

Stellungnahme der Schönstatt-Patres in Paraguay zu den Ereignissen, die das Land erschüttern

 

Schönstatt-Patres aus Paraguay zusammen mit Mitbrüdern aus anderen Ländern bei einer Feier in Tuparenda

Padres de Schoenstatt de Paraguay, junto a hermanos de otros países, en una celebración en Tuparenda

Schoenstatt Fathers from Paraguay, together with fathers from other countries, during a celebration in Tuparenda

Schönstatt-Patres aus Paraguay zusammen mit Mitbrüdern aus anderen Ländern bei einer Feier in Tuparenda

 

P. Peter Kühlcke

P. Pedro Kühlcke

Fr. Pedro Kühlcke

P. Peter Kühlcke

Fotos: Cabral © 2009

 
   

PARAGUAY. "Angesichts öffentlich bekannter Ereignisse" in Paraguay – mehrerer Vaterschaftsklagen gegen den Präsidenten des Landes aus seiner Zeit als katholischer Bischof von San Pedro -, hat die Gemeinschaft der Schönstattpatres in Paraguay eine Stellungnahme veröffentlicht, die innerhalb von wenigen Stunden und Tagen weite Kreise gezogen hat. "Hier ist die religiöse Welt voller Freude über den Vortrag von Pater Pedro Kühlcke", so P. Antonio Cosp. Die Stellungnahme beruht auf der Predigt, die P. Pedro Kühlcke am 19. April in der heiligen Messe im "Jungen Heiligtum" in Asunción gehalten hat. Am Schluss der Messe begannen die Leute zu klatschen, immer lauter, und schließlich erhoben sich die über 800 Menschen, die meisten davon Jugendliche, die an den Lippen des Redners gehangen hatten...

Die Patres baten Pater Pedro Kühlcke dann, seine Ansprache schriftlich zu verfassen und als Stellungnahme zur Verfügung zu stellen, "da hier sehr viel Schmerz und Unsicherheit herrschen angesichts des blanken Nichts am Moral bei unserem derzeitigen Präsidenten. Wir sagten uns – das ist ein prophetisches Wort zur rechten Zeit, das irgendwie für jeden Paraguayer trifft. Am Mittwoch hatten wir den schriftlichen Entwurf, wir haben miteinander noch Feinarbeit gemacht, und jetzt geht es ins ganze Land hinaus, unterschrieben von der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres", so Pater Antonio Cosp. "Jetzt kommen von allen Seiten zustimmende Kommentare, auch von der Presse. Eine Schönstätterin rief mich dieser Tage an und sagte, jetzt müsste doch jemand von Schönstatt etwas sagen. Als ich ihr sagte, dass wir das schon getan hätten und etwas vom Inhalt wiedergab, antwortete sie tief bewegt und mit einem Zittern in der Stimme: ‚Was bin ich stolz, Schönstätterin zu sein!’"

Mittlerweile ist die Stellungnahme auch von den internationalen Agenturen Aciprensa und Zenit aufgegriffen worden.

Wir veröffentlichen die Stellungnahme auch in Schoenstatt.de und in deutscher Übersetzung, weil die Ereignisse in Paraguay mittlerweile auch in den deutschsprachigen Medien für Schlagzeilen sorgen, aber vor allem, weil die Antwort über die konkreten Ereignisse hinaus für ähnliche Erfahrungen wertvolle Hinweise gibt, vor allem dadurch, dass sie jeden Einzelnen nicht nur zur Verantwortung für seine konkreten Taten, sondern auch für deren Folgen ruft.

Angesichts von öffentlich bekannten Tatsachen…

Als Katholiken und als Schönstätter können wir nicht schweigen. An erster Stelle gilt es, sich daran zu erinnern, dass es uns nicht erlaubt ist, über die Menschen und ihr Gewissen zu urteilen: "Urteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet" (Mt 7,1). Aber wir müssen Stellung beziehen zu konkreten Taten: Stimmen sie überein mit unserer Moral, mit unseren Prinzipien und Werten, oder nicht? Wahren wir die klassische Trennung zwischen subjektiver und objektiver Schuld: Gott weist die Sünde ab und liebt den Sünder.

Auch ist es wichtig, über unsere eigene Haltung nachzudenken: Stimmen wir einfach ein in den Chor der Kritiker und Lamentierer ein? Oder schweigen wir und rechtfertigen so das nicht zu Rechtfertigende? Die Spiritualität Schönstatt lehrt uns, hinter jedem Ereignis die Stimme Gottes zu hören: Was sagt Gott mir durch dieses Ereignis, und welche Antwort erwartet er von mir? Das nennen wir Praktischen Vorsehungsglauben.

In den Ereignissen von denen wir sprechen, entdecken wir mehrere wichtige Werte, die beschädigt oder schlichtweg ignoriert worden sind. Das lädt uns ein zum Nachdenken darüber, wie wir selbst diese Werte leben und betonen.

Ein erster Wert ist die Treue zum gegebenen Wort. Wenn ich etwas zusage, können die anderen dann darauf vertrauen, dass ich das erfülle? Wenn ich ein Versprechen breche, wie werden sie dann an meine andere Versprechen glauben können? " (Mt 5,37). Wie oft versprechen wir, ein Buch oder Geld zurückzugeben, und "es ist uns hinten übergekippt"; wie oft warten wir auf jemanden, der versprochen hatte, zu der und der Stunde zu kommen, und einfach nicht erschienen ist... Unserem eigenen Wort treu sein rührt an unser Wesen als feste, freie Persönlichkeiten. Niemand (!) in der katholischen Kirche ist zu einem Gelübde der Keuschheit verpflichtet oder zum Versprechen des Zölibates. Beides zielt auf dasselbe: wir, die wir die Priesterweihe empfangen, verzichten auf biologische Vaterschaft, damit unsere Vaterschaft im Dienst am Reich Gottes um so fruchtbarer wird. Wir sind alle Menschen, begrenzt und sündhaft, aber wir alle sind auch aufgerufen, gegen die Versuchungen zu kämpfen, die Sünde zu meiden und im Leben der Gnade zu wachsen.

Das führt uns zu einem weiteren wichtigen Wert: der Verantwortung nicht für unsere Taten in sich, sondern auch für deren Konsequenzen. Wir sind keine Tiere und Sklaven unserer Instinkte; wir sind menschliche Wesen, von Gott mit der Freiheit des Willens beschenkt. Die unmittelbare Folge dieser Freiheit ist die Verantwortung für das, was wir tun und lassen, und auch für die Konsequenzen unseres Tuns und Unterlassens. Wenn wir in Sünde fallen, dann bereuen wir nicht nur und bitten um Verzeihung, sondern übernehmen auch die Konsequenzen, ohne billige Ausreden zu suchen oder kindische Rechtfertigungen ("Ich bin ein Mann", "Ich habe das Recht"). Ein ähnlicher Fall wie der jetzige geschah vor einiger Zeit in einem anderen Land: ein Priester informierte mit großem Schmerz seinen Obern, dass er sein Zölibatsversprechen gebrochen hatte und eine Frau von ihm schwanger war. Da einige Monate später das Kind auf die Welt kommen würde, müsste er sein Priestertum aufgeben und seine Vateraufgabe übernehmen. In all dem Schwierigen und Leidvollen dieses Falles übernahm er die Verantwortung für die Folgen seines Tuns, sobald er davon erfuhr.

Ein dritter Wert, vielleicht der wichtigste, ist all das, was sich auf die Familie, die Rechte der Kinder und Minderjährigen und die Vaterschaft bezieht. Alle Menschen, und besonders die Wehrlosesten, sind Kinder Gottes und haben unveräußerliche Rechte. Wir haben nicht das Recht, einem Kind die Erfahrung eines Vaters, einer Mutter, einer guten Familie zu nehmen; wir haben nicht das Recht, ihm die Erfahrung, erwartet, geliebt und gewertet zu sein zu nehmen. Kein Kind dürfte entdecken müssen, dass es ein "Problem", eine "wahrgewordene Gefahr", etwas Schändliches war, das man verstecken und verneinen musste – um jeden Preis. Noch schlimmer ist sicher, einem Kind das Recht auf Leben zu nehmen und das Verbrechen der Abtreibung zu begehen.

Und wir haben auch nicht das Recht, eine Minderjährige mit der Macht unseres Amtes, unseres Besitzes oder mit Versprechen, die wir nicht erfüllen werden, zu blenden – und erst recht nicht, sie als Objekt unserer sexuellen Befriedigung zu missbrauchen – das ist Missbrauch Minderjähriger! Mit dem sechsten Gebot hat Gott uns einprägen wollen, dass das Wohl des Kindes und der Familie himmelhoch über dem vermeintlichen Recht auf wahllose Ausübung unseres Sexualtriebes steht.

Wir müssen leider gestehen, dass es in unserem Land weit und breit an authentischer Väterlichkeit fehlt. Der echte Vater macht sich verantwortlich für das Leben, das er erzeugt hat, liebt und schützt sein Kind, erzieht es ohne Gewalt und ohne es zu verziehen, begleitet es in seinem Reifungsprozess, hilft ihm, eine gesunde Originalität und Autonomie zu erlangen. Er lässt es nicht ihm Stich, überlässt es nicht dem materiellen Elend oder der psychologischen oder geistigen Verwaisung, er sperrt es auch nicht unter die Käseglocke der Überbehütung, verlangt auch nicht von ihm, eine Kopie seiner selbst zu werden.

Das Gegenteil von Väterlichkeit ist das Machotum, das im Grund nicht etwa Zeichen besonderer Männlichkeit ist, sondern einer großen Unsicherheit ihr gegenüber. Wenn ich meine Männlichkeit wirklich annehme und glücklich damit bin, brauche ich sie nicht ständig zu demonstrieren und erst recht nicht Frauen zum Sexual- und Jagd- und Wegwerfobjekt degradieren. Ich möchte ein ganzer Mann sein und nicht ein halber Macho! Vielleicht möchten wir uns fragen, wie wir selbst handeln, und wie wir unsere Kinder erziehen, die Jungen und die Mädchen. Haben nicht doch auch manche Väter Verantwortung in der Vermittlung dieses Machotums, und regen damit schädliche sexuelle Verhaltensweisen bei ihren Söhnen an? Und die Mütter, die aus lauter Not, ihre Söhne könnten "komisch" werden, sie nicht mal einen einzigen Teller abtrocknen lassen?

Beschämenderweise kommt noch ein weiterer Antiwert hinzu, der politische Opportunismus. Ein spätes und unter juridischem Druck gegebenes Eingeständnis als mutigen Akt und Zeichen von Ehrlichkeit usw zu deklarieren, hat etwas von Schmeichelei und Schleimerei zugunsten persönlicher Vorteile an sich. Aber, wiederum, die zentrale Frage ist: Was tun wir? Vielleicht haben wir keine öffentlichen Ämter inne, aber ist nicht die Versuchung da, uns gegenüber dem Chef oder dem Professor in der Uni so zu verhalten?

Als Priester, möchten wir nach den Versprechen, die wir einmal gegeben haben, und die wir jeden Gründonnerstag erneuern, leben, und so Zeugnis davon geben, dass ein dem Herrn geweihtes Leben im Zölibat nichts steriles an sich hat, sondern fruchtbar, glücklich und erfüllt ist in der Liebe zu Gott und den Nächsten.

Darum auch möchten wir all unsere Brüder und Schwestern im Glauben bitten, besonders für uns, die Priester und Bischöfe, zu beten. Wir sind denselben Versuchungen ausgesetzt wie alle, wir sind Sünder wie alle, aber unser Fallen macht mehr Lärm, verursacht großen Schaden und schmerzt viele. Darum brauchen wir viel Gebet, damit wir dem Lebensstil und der Sendung treu sein können, die der Ewige Hohepriester Jesus Christus uns anvertraut hat.

Wir bleiben nicht bei der bloßen Anklage, der unfruchtbaren Klage oder Resignation stehen. In der Haltung des Vorsehungsglaubens begreifen wir, dass Gott uns auf Werte und Unwerte aufmerksam macht. Unsere beste Antwort auf die erwähnten Tatsachen ist nicht die Klage, sondern die feste Entscheidung, im eigenen Leben für diese Werte zu kämpfen und ein mutiges und frohes Zeugnis dafür zu geben, dass man kohärent leben kann, dass unser katholischer Glaube uns nicht dazu führt, unterdrückt und verlogen zu werden, sondern ein Weg zu authentischem Glück und Fülle des Lebens ist. So können wir unseren kleinen Beitrag leisten zu einem Paraguay, das mehr und mehr "Nation Gottes" wird.

Säkularinstitut der Schönstatt-Patres
Asunción—Paraguay, 23. April 2009

 


 

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Last Update: 28.04.2009