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 published: 2009-03-13

Anthropologische Perspektiven im Lichte des Paulus-Jahres

Das Josef-Kentenich-Institut (JKI) ist gut aufgestellt

 

Jahrestagung des Josef-Kentenich-Instituts (JKI)

Jornada anual del Instituto José Kentenich, Schoenstatt

Annual Conference of the Joseph Kentenich Institute

Jahrestagung des Josef-Kentenich-Instituts (JKI)

 

Informeller Austausch

Intercambio informal

Informal sharing

Informeller Austausch

 
Im Gespräch  

Encuentro

Talking

Im Gespräch

Fotos: Bühler © 2009

 
   

SCHÖNSTATT, Oskar Bühler Nicht nur die Tatsache, dass der JKI-Preis zwei Mal verliehen wurde (schoenstatt.de berichtete darüber), sondern auch die anthropologische Thematik machte die diesjährige Jahrestagung des Josef-Kentenich-Instituts bedeutsam und interessant. Drei dichte Statements von hoher wissenschaftlicher Qualität gaben Anstöße zu intensiven Gesprächen im Plenum und in Gruppen.

"Über paulinische Impulse im Menschenbild Josef Kentenichs" sprach P. Dr. Joachim Schmiedl ISch, Professor für Kirchengeschichte an der Philosophisch-theologischen Hochschule Vallendar. Er bezog sich dabei vorwiegend auf den Exerzitienkurs "Der erlöste Mensch", den Pater Kentenich in den Jahren 1935/36 mehrmals gehalten hat und der – bearbeitet und herausgegeben von Dr. Schmiedl – im Patris-Verlag als Buch erschienen ist. Josef Kentenich knüpfte – wie es für ihn typisch war – an den verschiedenen "Erlösungslehren" des 20. Jahrhunderts an.

Diese Strömungen sind für Kentenich nicht einfach nur Irrlehren, sie sind Zeichen einer Erlösungssehnsucht, die den aktuellen Hintergrund des Exerzitienkurses darstellt. Die biblisch-spirituelle Quelle ist der Römerbrief. Dessen Botschaft ist die Antwort auf jede Erlösungssehnsucht. Pater Kentenich gliedert seine Darlegungen aus dem Römerbrief in drei Themenkreise: (1) Das Werden, (2) das Wesen und (3) das Wirken des erlösten Menschen

Heutige Anthropologie als Herausforderung

Dr. Joachim Söder, neuerdings Professor für Philosophie an der Universität Aachen, legte in anschaulicher Weise "Aktuelle Tendenzen und Herausforderungen für die heutige theologische Anthropologie" dar. Dabei beschränkte er sich auf zwei Denker unserer Tage: Ernst Tugendhat (*1930) und Giorgio Agamben (*1942).

In seinen Werken "Egozentrizität und Mystik" (2003) und "Anthropologie statt Metaphysik" (2007) setzt Tugendhat als Sprachanalytiker an und definiert Freiheit durch die Möglichkeit und Fähigkeit "Ich" sagen zu können ("Egozentrizität"). Seine Kontingenzerfahrung führt den Menschen zu zwei Möglichkeiten: entweder Mystik oder Religion, wobei es sich Tugendhat aus Gründen der Redlichkeit verbietet, sich im Sinne von Religion Gott zuzuwenden.

Giorgio Agamben (*1942) war der zweite Denker, auf den sich Joachim Söder bezog. In der Metaphysik des Menschen erkennt Agamben "Animalität" (Natur, "nacktes Leben") und "Humanität" (Geist/Logos). Dass der Geist über das "nackte Leben" Macht ausüben will, ist Quelle der "Biopolitik", die die Tendenz hat, Leben zu "machen".

Die Zerrissenheit des Menschen zwischen "Animalität" und "Humanität" ist nicht zugunsten eines der beiden Pole zu beseitigen, sondern nur in einen "messianischen" Zustand des "Zwischen" aufhebbar. Der Bewusstseinszustand dieses "Zwischen" ist der Glaube.

Im Anschluss an die Oktoberwoche 2008 beleuchtete Dr. Daniel Keller einige Perspektiven des Gender-Mainstreaming. In Gruppengesprächen über die vorgelegten Thesen und/oder über vorgegebene Texte konnten die dargelegten Gedanken nachgearbeitet und vertieft werden. Eine Passage aus dem Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy und ein gemeinsamer abendlicher Besuch der Gründerkapelle umrahmten den dichten Arbeitstag und lockerten ihn auf.

Gute Bilanz des JKI

Begonnen hatte die Jahrestagung mit einem gemütlichen Beisammensein am offenen Kamin. Dort wurde über verschiedene Aktivitäten des JKI berichtet. Für die JKI-Sektion Würzburg war in den letzten Monaten die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Sinusstudie Anlass, die Position Pater Kentenichs zu beleuchten. Die JKI-Sektion Mittelrhein hat zusammen mit Dr. Peter Wolf das Paulusbuch erarbeitet. Der Autor konnte darüber berichten, dass schon Übersetzungen in mehrere Sprachen vorliegen: englisch, spanisch, portugiesisch, polnisch; in Vorbereitung ist eine Übersetzung ins Russische. Von den Paulus-Abenden auf Belmonte/Rom erhofft man sich eine italienische Übersetzung. Berichtet wurde auch von verschiedenen Kursen, die in der Trägerschaft des JKI laufen: Das 'Flaggschiff' ist nach wie vor der JKI-Kurs Geistliche Begleitung unter der Leitung von P. Günter Niehüser, Barbara Stolzenberger und Pfarrer Hans Stehle. Die Kentenich-Akademie für Junge Erwachsene unter der Leitung von Dr. Bernd Biberger ist in ihrer zweiten Runde. Das Pilotprojekt für den Jahreskurs Kentenich-Pastoral nähert sich dem Abschluss. Ein weiteres beachtenswertes Vorhaben ist ein Kurs für Verantwortliche in der Priesterausbildung, der unter der Leitung von P. Günter Niehüser und Subregens Dr. Michael Gerber auf Berg Moriah stattfinden wird.

Wenn man zu dem Berichteten noch die Tatsache einer zweifachen Verleihung des JKI-Preises hinzu bedenkt, darf man als Fazit dieser Jahrestagung festhalten: Das Josef-Kentenich-Institut ist gut aufgestellt. Es darf im kommenden Jahr mit guten Gründen sein 40jähriges Bestehen gebührend feiern.

 


 

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Last Update: 13.03.2009