Zum Weiterdenken - Considerations - Para reflexionar
 published: 2008-06-24

Von Fußball, Kentenich und vielen Geschichten

Eine Erfolgsstory aus Versmold... und eine aus Vallendar

 

Was wir gerade nicht haben, brauchen wir um so dringender

Fotos: StckXchnge © 2008

 

Von P. Elmar Busse

Am 7. Juni wurde die Fußball-Europameisterschaft eröffnet, am 29. Juni findet das Finale statt. Viele deutsche Fußballfans werden vor den Bildschirmen sitzen und mitfiebern. Und da gibt es noch zwei Fußball-Fans der besonderen Art: den in Remscheid lebenden Arunava Chaudhuri und den Versmolder Chris Punnakkattu Daniel.

Diese beiden in Deutschland lebenden Inder haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Fußball in Indien populärer zu machen. Ihr Weg dazu: Eine Homepage über den indischen Fußball. Seit dem 10.4.1998 ist die Seite www.indianfootball.com im Netz. Heute ist Chris Chefredakteur und koordiniert insgesamt 19 Mitarbeiter und Korrespondenten – ehrenamtlich, wohlgemerkt. Denn mit seinem Hobby lässt sich noch kein Geld verdienen. Aber darum geht es dem Versmolder, der hauptberuflich als Grafiker in Bielefeld arbeitet, auch nicht. Sein Anliegen ist, den indischen Fußball nach vorne zu bringen. Damit steht er nicht allein. "Einen schlafenden Giganten", nennt Fifa-Präsident Sepp Blatter die indische Fußballnation und ruft Vereine und Funktionäre auf, sich auf dem Subkontinent zu engagieren. "Und wer im Internet nach indischem Fußball sucht, stößt zwangsläufig auf unsere Seite, sieht dass wir sogar in Deutschland sitzen, und so kommt oft der Kontakt zustande", sagt Chris Punnakkattu Daniel.

Nun denken wir bei Sport in Indien sicher mehr an Kricket, Hockey oder Golf. Doch sind Regionen wie Kalkutta, Goa oder Bombay Fußballhochburgen. Hätten Sie gewusst, dass das drittgrößte Fußballstadion der Welt mit 120 000 Plätzen in Kalkutta steht?

Dass mittlerweile auch Journalisten aus allen Teilen der Welt ihre indischen Fußball-Informationen aus Versmold beziehen, versteht sich da von selbst. Besonders seit im November 2007 die indische Profiliga gegründet wurde. An den Spieltagen ist IndianFootball.com – in Indien und für die Exilinder – die einzige Quelle, die alle Ergebnisse und Spielberichte zeitnah zusammenfasst. Viel Arbeit für Chris Punnakkattu Daniel und sein Team.

Da haben zwei junge Inder einen Traum...

Da haben zwei junge Inder den Traum, die Lebensgewohnheiten eines Subkontinentes zu verändern. Aus dem "schlafenden Riesen in Sachen Fußball" (Sepp Blatter) soll eine Fußballnation werden.

Pater Kentenich hatte den Traum, dass Schönstatt dafür sorgen könnte, dass die Bevölkerung eines Landes, die auf dem besten Wege war, in die Beziehungsarmut zu schlittern, wieder in die Beziehungsfähigkeit und den Beziehungsreichtum zurückfinden kann. Dieser Traum Kentenichs, für den er Konflikte mit dem deutschen Episkopat und schließlich 14 Jahre kirchliche Verbannung auf sich nahm, hat von seiner Aktualität nichts verloren – im Gegenteil. Das Thema "Familie" ist schon über Monate ein heißes Thema; immer wieder schocken uns traurige Nachrichten über Kindesmisshandlungen und –Tötungen – Ursache: überforderte Eltern. An Lehrer und Schulen werden Forderungen gestellt, die mangelnde Vermittlung von grundlegenden sozialen Kompetenzen im Raum der Familie aufzufangen. War Pater Kentenich Ende der 40er Jahre noch ein einsamer Rufer im Blick auf eine heraufziehende Gefahr, so sind sich heute viele Kreise der Gesellschaft einig in der Diagnose: das große Problem der Gegenwart ist die Beziehungsarmut.

Ob nicht die Zeit reif ist, in breiterem Umfang die Kentenich-Pädagogik ins Gespräch zu bringen? Er hat ja selber an sich erfahren dürfen, dass frühkindliche Schädigungen kein lebenslanges Trauma auslösen müssen. Er hat erlebt, dass im Kontakt mit dem ganz heilen und vollerlösten Menschen Maria er selber heil wurde und vielen Menschen seelische Nähe anbieten konnte. Im Kontakt mit ihm – so bestätigten es viele Besucher – wurden sie innerlich freier, konnten sich mit ihrem Lebensschicksal versöhnen und fanden so Kraft, sich auch für andere einsetzen zu können. Und Pater Kentenich hat seine Wirkung auf andere auch selber reflektieren können. Der große Vorteil, den er gegenüber anderen Gründern von psychologischen Schulen hatte: er hatte nicht nur mit seelisch kranken Menschen zu tun. Er war auch im Kontakt mit ganz vielen seelische gesunden Menschen, die aber mehr aus sich machen wollten. In vertrauensvoller geistlicher Begleitung konnte er die Wachstumsgesetze der Seele studieren und in sein pädagogisches System einbauen.

Angefüllt mit vielen Geschichten

Aus vielen Gesprächen weiß ich, was Einzelne gerade durch ihren Kontakt mit der Schönstatt-Spiritualität gewonnen haben. Dabei geht es nicht nur um Begegnungen direkt mit dem Gründer – auch der persönliche Kontakt mit seinen Schülern brachte ähnliche Früchte hervor. In vielen Werkbriefen und Schönstatt-Zeitschriften können wir in den letzten Jahren einen Stilwandel beobachten. Der Erfahrungsaustausch über gelungenes Leben nimmt breiteren Raum ein. Und dieses Konzept geht auf. Das spricht an. Ich würde mich freuen, wenn jeder von uns zu einer wandelnden Bibliothek wird: angefüllt mit ganz vielen Geschichten, die das Leben schreibt; Geschichten, die von der erlösenden und befreienden Gnade Zeugnis geben, Geschichten, die die heilende Kraft der Liebe dokumentieren. Es wäre ein Apostolat der Ermutigung und Hoffnung: Auch wenn du dein Leben nicht rückspulen kannst und manche falsche Entscheidung rückgängig machen kannst – es gibt noch so viele Möglichkeiten selber heil zu werden und anderen zur Heilung zu verhelfen! Du fragst wie? Geh bei Kentenich in die Schule!

Was für die zwei jungen Inder die indischen Fußballer sind, das sind für uns die vielen Christen, die den lebendigen Beweis bringen, dass in der Nachfolge Christi a la Kentenich Leben gelingen kann.

 


 

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Last Update: 24.06.2008