Zum Weiterdenken - Considerations - Para reflexionar
 published: 2008-02-08

Lass uns als Feuerbrände glühen

Apostolat und Innerlichkeit - Erfahrungen und Überlegungen von Hildegard Fischer

 

Schönstatt ist nicht ein Jonglieren mit immer mehr Verpflichtungen&

Schoenstatt no es hacer malabarares...

Schoenstatt is not a juggling of more and more and more different obligations...

Schönstatt ist nicht ein Jonglieren mit immer mehr Verpflichtungen…

Foto: StckXCnge © 2008

 

Vor ein paar Jahren habe ich jonglieren gelernt – naja, zumindest habe ich es versucht. Mit einem Ball ging das wunderbar, aber sobald der zweite - oder erst mal der dritte – Ball ins Spiel kamen, war ich hoffnungslos überfordert… als ich einen Ball in meiner Kaffeetasse versenkt hatte und den zweiten nicht mehr hinter meinem Bücherregal gefunden habe – habe ich das Jonglieren aufgegeben. Manchmal denke ich mir, geht es uns in Schönstatt genauso: Wenn ich zur Selbsterziehung noch das Gebetsleben und noch ein strammes Apostolat und … und … und dazupacke, dann geht es mir wie beim Jonglieren mit drei Bällen, ganz schnell läuft alles aus dem Ruder. Glücklichweise hat Schönstatt gar nichts mit Jonglieren zu tun, und es geht auch nicht darum, möglichst viele "Übungen" in möglichst schneller Reihenfolge – wenn geht noch gleichzeitig – auszuführen.

Ich kann Schönstatt reduzieren, ich kann mein Liebesbündnis reduzieren auf eine Bitte an Gott und die Gottesmutter: "Nur eines gib mir, lasse mich dich lieben".. Der Kern unseres Liebesbündnisses liegt darin, dass ich mich in Gott verlieren darf, dass ich mich so sehr in Gott verlieben darf, dass ich mich ihm - ohne Vorbehalt – aber auch ganz ohne Zweifel oder Skrupel – schenken darf.

Lieblingskind Gottes

Ich bin von Gott her ganz persönlich gewollt und geliebt. Alle meine Wesenszüge, sind mir von ihm gegeben, als Gabe und als Aufgabe. Liebesbündnis heißt, dass ganz ernsthaft zu glauben, dass Gott mich so will und bejaht, wie ich bin, und zwar, weil er mich liebt. Seine Liebe misst nicht in Leistung oder in Stunden, sein Liebe misst in Liebe.

Meine Antwort im Liebesbündnis sollte ich also auch in Liebe messen; Herr Pater schreibt dazu in Dachau: "Was du mir gabst, das geb ich dir zurück, ganz ohne Vorbehalt als größtes Glück."

Ich darf Gott also all das zurückschenken, was er mir gibt: meine Liebe (denn ich kann nur lieben, weil er mich liebt), meine Fähigkeiten, mein Können, meine Fehler, meine Schwächen.

Aussäen

Nur weil Gott mich liebt, kann ich wagen daran zu denken, auszustrahlen und auszusäen. Apostolat kann man nicht "machen"; Apostolat ist immer nur das Einsetzen der eigenen Kräfte und gleichzeitig das verschenken dieser Kräfte und Bemühungen, nicht ich werbe für Gott, strahle für Gott, sondern er strahlt durch mich, wirbt durch mich bei den Menschen in meiner Umgebung. "Gib Gnaden mir, dass sie mich machtvoll tragen zu allem, was aus mir ich kann nicht wagen; lass teil mich haben an der Fruchtbarkeit, die deine Liebe deiner Braut verleiht."

Unser Apostolat ist immer "nur" Teilhabe an Gottes unendlicher Fruchtbarkeit.

Daher ist alles Apostolat zuerst immer Ausstrahlen dessen, was Gott mir geschenkt hat, nicht Aktion oder menschliche Planung. Mein Apostolat muss mitten aus meinem Herzen kommen.

Im Alltag

Gibt mir dieser Gedanke eine ganz große innerliche Ruhe. Das, was Gott mir hier und jetzt schickt, ist das, was Gott hier und jetzt von mir zurückgeschenkt haben möchte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für mich heißt das im Moment: Gott gibt mir mehr berufliche Arbeit und Belastungen als eigentlich in meinen Tag hineinpassen. Dienste rund um die Uhr sind eher normal, als die Ausnahme.

Was Gott möchte? Dass ich ihm mein Arbeiten und Bemühen, die damit verbunden Belastungen und Mühen zurückschenke, wenn es geht "froh" zurückschenke, auch wenn mal eine Verabredung, auf die ich mich gefreut habe, abgesagt werden muss, oder ein Treffen in Schönstatt kippt, weil ich einfach nicht von der Arbeit wegkomme.

Natürlich bin ich trotzdem hundemüde, natürlich fällt mir der x-te Nachtdienst schwer, natürlich bin ich mit meiner Chefin im Gespräch, die Belastungen in einem verantwortbaren Rahmen zu halten, natürlich fordere ich die Mitarbeit und das Engagement der Kollegen ein und natürlich bin ich enttäuscht , wenn mal wieder ein privater Termin dran glauben muß,, aber genauso natürlich dürfen wir all das an Gott zurückschenken.

In diesem Zurückschenken bin ich apostolisch tätig; es füllt nicht nur das Gnadenkapital, sondern es macht mich in meiner Umgebung sicherlich auch authentisch – es lässt spüren, dass Glauben im Alltag stattfindet, auch wenn ich nicht dauernd darüber rede.

Anfang Oktober bin ich mit meiner Jugendgruppe in die Bretagne in Urlaub gefahren - natürlich Dienste rund um die Uhr und nach einem Tag frei wieder zurück in den normalen Arbeitsalltag …

Die Jugendlichen hatte meine Digitalkamera und durften Bilder machen.

Beim Anschauen dieser Urlaubsbilder kam dann die Überraschung: zwischen Gruppenfotos und Strandfotos plötzlich ein Kreuz. "Wo habt ihr das denn fotografiert?" "Keine Ahnung mehr, wo das war, aber wir dachten, dass du dich darüber freust!" Was meinen Sie, wie sehr ich mich gefreut habe.

Welche Form des Apostolates aus dem Zurückschenken der Gaben und Geschenke Gottes entsteht, ist für mich immer wieder ein Grund zum Staunen – und zur Dankbarkeit. Jeder Mensch bekommt von Gott andere Aufgaben und andere Menschen‚ direkt vor seiner Haustüre’ geschenkt und als Auftrag aufgegeben.

Nimm hin, o Herr

Ich finde es selber immer sehr spannend, wohin mich so ein Brückeartikel bringt; diesmal bin ich bei den Texten, die mir im Laufe dieses Artikels eingefallen sind, beim Gebet "Nimm hin. O Herr" angekommen.

Ganz bestimmt kein Zufall. Dieses Gebet ist Ausdruck von Herrn Pater für Inscriptio, für die Ganzhingabe im Liebesbündnis an Gott und die Gottesmutter.

Damit bin ich wieder beim Jonglieren: ganz anders eben als beim Jonglieren, wo ich immer einen neuen Ball dazu werfen muss, ist im Liebesbündnis kein "immer mehr dazu" nötig.

Aus meiner Hingabe an Gott, aus meiner tiefen Liebe zu Gott erwächst das andere, z.B. Selbsterziehung, Gebet, Apostolat.

Im Liebesbündnis bietet Gott sich mir – aus Liebe – als Bündnispartner an und er möchte Liebe als Gegenstand dieses Bündnisses. Alles andere muss aus dieser Liebe erwachsen und ist nur in der Verbindung zu dieser Liebe fruchtbar.

Selbsterziehung hat – in diesem Sinne für mich - keinen "Selbstzweck", sondern ist dann Ausdruck meiner Sehnsucht, dem Bild, dem Gedanken Gottes von mir, immer ähnlicher zu werden.

Gib alles, was die Liebe zu dir mehrt

Diese Bitte begleitet mich durch meinen Tag. Denn nur in der Verbindung meines Tuns mit meiner Liebe zu Gott liegt die Möglichkeit, fruchtbar zu sein, meine Welt, meinen Alltag, meine Umgebung Gott zu bringen.

Für mich ist das nicht nur eine Bitte an Gott, ‚mal zu machen’, sondern auch eine Aufforderung an mich selber, alles zu tun, dass ich diese Liebe hüte und pflege. Ich muss mir Zeiten sichern, für Gebet, die Lieblingskinderfahrungen, für Stille, damit ich geöffnet bleibe für Gottes Liebe.

Umgekehrt gilt das natürlich auch; meine Selbsterziehung oder mein Apostolat wird leer, entwurzelt, (mechanistisch sagt Herr Pater), wenn ich es abkoppele von meinem Liebesbündnis, von meiner Ganzhingabe … und damit von Gott.

Dann bin ich reich, ja überreich zu preisen

Die Verheißung steht nicht nur in diesem Gebet aus Himmelwärts, sondern ist auch in der ganzen Schönstattspiritualität zu greifen.

Sie ist sicherlich nicht vordergründig zu sehen, im Sinne einer Versicherung gegen schwere oder unsichere Lebenssituationen.

Das Glück und der Segen erwächst aus der Ganzhingabe an Gott, weil Gott mich, uns liebt und weil alles, was Gott schickt, aus Liebe geschieht.

Aus der Zeitschrift "Brücke", 2007 

 

 

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Last Update: 08.02.2008