Zum Weiterdenken - Considerations - Para reflexionar

 published: 2005-09-09

Gott fügt alles wunderbar

Vorsehungsglaube: Anregungen zum Nach- und Weiterdenken

 

Huellas de Dios

God’s footsteps

Spuren Gottes

 
 

Casi no se ve... pero ELLA está presente

One can hardly see it... but SHE is present

Kaum zu sehen – doch SIE ist da

Fotos: POS Fischer © 2005

   

WEITDRDNKEN, P. Otto Amberger. Eine Geschichte aus Indien: "Ein König hatte einen Minister, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sagte: ‚Gott fügt alles wunderbar'. Nach einiger Zeit hatte der König diesen Satz so oft gehört, dass er ihn nicht mehr ertragen konnte. Die beiden sind auf der Jagd. Der König schießt einen Hirsch. Minister und König sind hungrig, machen Feuer, grillen den Hirsch, der König beginnt zu essen und schneidet sich in seiner Gier einen Finger ab. Der Minister: ‚Gott fügt alles wunderbar.'

Jetzt reicht es dem König. Wütend entläßt er den Minister aus seinen Diensten und befiehlt ihm, sich fortzuscheren. Er wolle ihn nie wieder sehen. Der Minister geht. Der König, vom Hirschbraten gesättigt, schläft ein. Wilde Räuber, Anhänger der Göttin Kali, überfallen und fesseln ihn, wollen ihn ihrer Göttin opfern und - verspeisen. Im letzten Moment bemerkt einer der Kali-Anhänger den fehlenden Finger. Die Räuber beratschlagen sich und befinden: ‚Dieser Mann ist unvollkommen. Ihm fehlt ein Körperteil. Unserer Göttin darf nur Vollkommenes geopfert werden.' Sie lassen ihn laufen.

Der König erinnert sich an die Worte des Ministers: ‚Gott fügt alles wunderbar' und begreift: Genau so ist es. Auch in diesem Fall. Er fühlt sich schuldig, weil er den Minister verbannt hat und läßt ihn suchen. Nach langer Zeit wird dieser gefunden. Der König entschuldigt sich und bittet ihn, wieder in seine Dienste zu treten.

Der Minister antwortet: ‚Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin dankbar, dass du mich fortgeschickt hast. Mich hätten die Räuber geopfert. Mir fehlt kein Finger. Gott fügt alles wunderbar."(1)

Gott ist Vater, Gott ist gut...

"Gott fügt alles wunderbar." oder wie es Pater Joseph Kentenich, der Gründer der Schönstatt-Bewegung, sagt : "Gott ist gut, gut ist alles, was er tut."(2) Haben sie diese Erfahrung auch schon einmal gemacht? Oft ist es so, dass im Leben irgendwelche Unannehmlichkeiten passieren. Da ist jemand, der wird plötzlich von seinem Betrieb in die Arbeitslosigkeit entlassen oder vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Kann ich da sagen: Gott fügt alles wunderbar. Oder gibt es nicht eher das Gefühl. Ich war ihnen nicht mehr gut genug, meine Leistung hat ihnen nicht mehr getaugt. Und ich sinne nun die nächsten Jahre meines Ruhestandes darüber nach, was ich durch das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess verloren habe. Ich fühle mich wertlos, weil ich nicht mehr das gleiche leiste wie die anderen. Für meine Umgebung werde ich vielleicht ungenießbar. Bis ich schließlich irgendeine Krankheit habe, die mir dann vollends bestätigt: "Du kannst es nicht." Und das nimmt mir auch noch meine letzten Kräfte.

"Gott fügt alles wunderbar." Hinter diesem Satz steckt eine sehr wichtige Erfahrung. Und weil wir leicht beim Schlechteren hängen bleiben, ist es gut, diesen Satz täglich mehrmals zu wiederholen, bis er ganz in unser Leben eingeht. Er hat eine wichtige Botschaft: Überlege erst einmal, bevor du dich irgendwelchen Gefühlen der Enttäuschung hingibst, was durch diese ungewohnte Veränderung wie etwa den Vorruhestand bei dir gut geworden ist. Welchen Gewinn habe ich durch diese Veränderung mitnehmen können? Und ich werde entdecken, dass es da eine Menge gibt. Ich habe mehr Zeit für mich und meine Familie. Ich konnte die längst anstehenden Reparaturen an unserem Haus erledigen. Ich konnte mich stärker in meinem Verein engagieren, in der Pfarrei oder in einer Familiengruppe Verantwortung übernehmen. Mancher entdeckt sogar ganz andere Fähigkeiten bei sich, die er vorher noch nie so richtig wahrgenommen hat. Wie wäre es mit einem Seniorenstudium?

Aber es muß nicht erst im Alter sein. Mancher sagt sich schon früher: Gerade dadurch, dass ich wegen der Arbeitsstelle einen Ortswechsel vornehmen mußte, habe ich die Frau meines Lebens gefunden. Und was könnte besser gewesen sein!

Gott hält unsere kritischen Fragen aus

Vielleicht wird jemand einwenden: Was habe ich davon, wenn ich sage: "Gott ist gut, gut ist alles, was er tut." Ich sitze hier in meinem Büro, und die Arbeit, die sich vor mir auf dem Schreibtisch türmt, wird nicht weniger. Um mich herum die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bleiben auch die gleichen, so wie ich, mehr oder weniger gut gelaunt. Ich kann so denken, aber habe ich damit schon das Wertvolle meines Satzes entdeckt. "Gott ist gut, gut ist alles was er tut" ist ein Satz, der mir Ruhe schenkt, der mich gelassen sein läßt. Nichts um mich herum geschieht, was nicht von Gott gefügt oder mindest zugelassen ist. Und deswegen, selbst wenn ich das Gefühl habe, hier begegnet mir ein Mitarbeiter mit grimmiger Maske oder eine Mitarbeiterin, die mir jetzt elegant Arbeit zuschiebt, die wirklich nicht das Gute für mich will, sage ich dennoch: "Gott ist gut, gut ist alles, was er tut". Das bedeutet, in jeder selbst noch so schlechten Botschaft, die mich erdrücken will, steckt ein guter Kern. Den sehe ich vielleicht im ersten Moment nicht, aber er ist da. Und das ist gerade die gute Botschaft, die mir Gott mitten in allem Durcheinander schickt. Nehme ich mir die Zeit, sie zu hören. Ich reagiere deswegen nicht voreilig oder ängstlich auf die Einwürfe von allen Seiten. Ich habe Zeit. Ich nehme das, was kommt, erst einmal in mich auf, wäge es ab nach allen Seiten, so wie man einen Ball rechts und links herum drehen kann, ich entdecke die gute Botschaft darin und kann dann meinem Mitarbeiter ruhig und freundlich den Ball zurückgeben. Auch wenn du mich unfreundlich anschaust, ich werde dir freundlich begegnen. "Gott ist gut, gut ist alles, was er tut" ist die Botschaft an mich. Es gibt in allem, was geschieht, eine gute Seite. Suche diese Seite und lebe daraus. Das gibt Mut. Es wird auf die Dauer nichts mehr geben, was mich noch aus der Bahn werfen kann. Und das ist gut so.

Manchmal geschehen Ereignisse, die können wir nicht verstehen. Warum stirbt ein junger Mann an Krebs und hinterlässt Frau und Kinder. Warum mußte gerade diese Ehe zerbrechen? Sie haben doch so gut begonnen, und nun scheint er nur noch ein Scherbenhaufen zu sein? Wir hadern mit Gott. Bist du wirklich gut? Bist du hier nicht ganz schön hart und eisern? Wer die Psalmen im Alten Testament liest, wird feststellen, dass die Menschen sehr oft so mit ihrem Gott gesprochen haben. Auch sie konnten mißmutig sein, und sagten dies ihm auch, aber es hat ihre Beziehung zu Gott nicht ins Wanken gebracht. Weil Gott gut ist, kann er unsere kritischen Fragen aushalten. Wir können nicht alles sofort verarbeiten, und es ist ganz gut so, dass wir dort, wo es schwierig wird, nicht sofort eine Antwort haben. Wir dürfen uns erstmal an Gott festmachen. Wer sonst kann uns in schwierigen Momenten helfen? Wir dürfen uns bei ihm ausklagen. Wir schreien um unser Leben. "Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!", heißt es im Neuen Testament. (Mt 9,27) Und wir werden spüren, dass er uns langsam und sicher zu neuen Einsichten und zu tieferen Quellen des Lebens führen wird.

Vertrauen

Zweifelsohne: Jede Veränderung in meinem Leben fordert mich heraus, zumal, wenn sie von mir nicht gewollt ist. Aber soll ich deswegen immer den bequemeren Weg suchen, möglichst den Unannehmlichkeiten ausweichen? Wohl kaum, ich lebe deswegen auch nicht besser. Im Gegenteil, wer sich im Leben durchschont, wird nur unglücklich. Er verpaßt die Chance, an den Hindernissen und Widerständen des Lebens zu wachsen und zu reifen. Was für uns nun die besten Wege zum Wachsen und Reifen sind, haben wir nicht in der Hand. Wir können es nicht wissen. Und deswegen: Es ist gut, Gott zu vertrauen, ja ihn geradezu dringend zu bitten, er möge uns die besten Wege zu unserem Heil zu zeigen. Er weiß am besten über die vielen verschlungenen Pfade und Unwägbarkeiten unseres Lebens Bescheid. Er hat einen Überblick, der weiter reicht als der unsere. Woher können wir wissen, wie unser Weg nach der nächsten Kurve aussieht? Gott kann uns zeigen, welche Entscheidungen auf die Dauer die richtigen sind. Der Minister in unserer Geschichte hat dieses Vertrauen auf Gott gehabt. Er ist nicht missmutig geworden, weil der König ihn entlassen hat. Es hat abgewartet und Geduld gehabt. Er wußte, dass Gott alles zum Guten führen wird. Der weitere Verlauf der Geschichte hat ihm recht gegeben.

Der Apostel Paulus formuliert es in seinem Brief an die Gemeinde in Rom in ähnlicher Weise: "Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt ..." (Röm 8, 28) Hinter diesen Worten steht bei dem Apostel ein sehr großes Vertrauen in Gott. Er liebte diesen Gott. Er liebte ihn aus der tiefsten Mitte seines Herzens. Es ist wie ein starkes Seil, an dem er sich angebunden hatte.

Paulus hatte so eine feste und sichere Beziehung für sein Leben gefunden, die durch keine noch so unangenehme Erfahrung beeinträchtigt werden konnte. Im Gegenteil, sie wurde dadurch noch gestärkt, weil sie ihn noch intensiver an den liebenden Gott gebunden hat. Und so fährt er an genannter Stelle fort: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? ... Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn." (Röm 8,35. 37-39) Vielleicht fühlen wir nicht immer diese Liebe zu Gott in unserem Herzen, wie sie der Apostel Paulus gehabt hat, und deswegen ist auch unser Glaube an die Führung Gottes in unserem Leben etwas schwach oder wankelmütig. Eine gute Hilfe finden wir hier bei Maria, der Mutter des Herrn. Wir können sie bitten, dass sie uns ihr Herz schenken möge. Sie hat Christus, ihren Sohn, geliebt und ihn in Treue begleitet, bis zum Tod am Kreuz. Wie wir wissen, war ihr Lebensweg auch nicht auf Rosen gebettet, er umfaßte Momente der Dunkelheit und des Scheiterns in eine ungewisse Zukunft. Sie ist aber den Plänen Gottes treu geblieben. Und dafür ist sie von Gott belohnt worden. Das sollen auch wir erfahren.

Realitätenschau

Ob Gott auch in unserem Leben treu ist? Wir dürfen diese Frage stellen. Einfacher ist es, wir machen uns auf den Weg, und schauen, wo Gott in unserem tagtäglichen Leben seine Treue gezeigt hat. Manche Leute nennen so etwas "Realitätenschau". Das heißt, jeden Abend, jeden Tag setze ich mich kurz hin und, denke nach, am besten ich schreibe es in ein Tagebuch. Wo gab es im Laufe des Tages Ereignisse, Begegnungen, im wahrsten Sinne des Wortes "Zufälligkeiten", wo mir ganz spontan die Realität Gottes, seine Liebe zu mir aufgeleuchtet und nahegekommen ist. Wo habe ich ihn in dieser Nähe erlebt?

Da mußte ich zum Beispiel bei einem Bekannten einen Besuch machen. Ich wußte, es wird kein leichtes Gespräch werden. Aber es ließ sich nicht weiter aufschieben. Auf der Fahrt zu dieser Person geriet ich mit dem Auto in einen Stau, eigentlich ein Grund, eher ungeduldig zu werden. Aber am Schluß, als ich am Haus meines Bekannten ankam, stand dieser gerade mit jemandem vor dem Haus im Gespräch. Ich komme gerade in diesem Moment dazu und kann leichter mit dem Bekannten das Gespräch beginnen. Die Verzögerung während der Fahrt war noch einmal eine gute Gelegenheit für das Gebet. Sie hat mir geholfen, genau den richtigen Zeitpunkt für den Besuch zu finden. "Gott ist gut, gut ist alles was er tut."

Diese Erfahrung kann ich abends nochmals "nachkosten". Sozusagen erneut Durch-Kauen und dann erst spüre ich richtig, Gott hat hier eigentlich ganz gut Regie geführt. Es hätte nicht besser sein können. Wenn ich immer neu diese "Realitäten" aufschreibe, bekomme ich mit der Zeit eine ganze Sammlung. Ich entdecke, mein Leben ist getragen von einem Wohlwollen Gottes, mehr, als ich mir eigentlich hätte vorstellen können. Und da gibt es eine Linie, wie Gott mich führt. Bestimmte Erfahrungen stellen sich immer wieder neu ein.

Ich kann sagen: Wie Maria in Nazareth sendet Gott durch irgendeinen Engel mir immer wieder eine Botschaft. Ich darf diese Botschaft wie einen freundlichen Gruß von Gott aufnehmen. Es ist ein Wink Gottes, der mich weiterführt.

Zum Schluß noch eine Angebot, eine praktische Hilfe, wie dieses Suchen nach den Botschaften Gottes gemacht werden kann. Gemeinsam in der Familie oder auch alleine. Entscheidend ist: Wir sind Gott auf der Spur und wir erfahren: "Gott ist gut, gut ist alles, was er tut."

Auf den Punkt gebracht: Spurensuche

ist eine Möglichkeit, den "Gott des Lebens" zu entdecken.

Wir erzählen uns eigene Erfahrungen und aktuelle Ereignisse.

Wir versuchen, sie gläubig als Anruf Gottes zu deuten.

Wir stellen uns damit in die Glaubens-tradition der Bibel, die bezeugt, dass Gott die Menschen treu begleitet und hinter allem steht und wirkt.

"Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?" (aus Lk 26, 13-35)

Spurensuche

Einstimmungsgebet

Gott,

wir bitten dich um Aufmerksamkeit für deine Gegenwart in unserer Mitte.

Sende uns deinen Heiligen Geist, der unsere Herzen sehend und hörend macht

und unsere Gedanken führt.

1. Erinnern

Was hat mich in den vergangenen Tagen besonders umgetrieben, beeindruckt, angerührt?

Ich lasse in Stille diese Erfahrungen noch einmal in meinem Inneren lebendig werden.

2. Erzählen

Was möchte ich den anderen erzählen?

Ich teile mit, was mir wichtig ist.

Wach höre ich auf das, was die anderen einbringen.

3. Entdecken

Was fällt mir bei diesen Erinnerungen besonders auf?

Wo kann ich in dem Gehörten Gottes Spuren erahnen, seine Nähe, seine Schönheit, seine Führung, seine Wünsche, seine Zumutungen ....?

Darüber kann ich mit den anderen ins Gespräch kommen.

4. Antworten

Wozu fühle ich mich gedrängt, zum Danken, Fragen, Klagen, Bitten, Schenken, mich oder etwas zu verändern?

Ich überlege still für mich, was ich tun möchte.

Wir können auch miteinander entscheiden, was wir gemeinsam in Angriff nehmen.

Dankgebet

Großer Gott, wir danken dir für das Geschenk deiner Nähe.

Wir bitten um Kraft für das, was zu tun ist,

und um Geduld für das, was wir nicht verstehen.

Mit Maria beten wir:

"Meine Seele preist die Größe des Herrn,

und mein Geist jubelt in Gott meinen Retter."

1. Berendt, J.-E., Geschichten wie Edelsteine. Parabeln, Legenden, Erfahrungen aus alter und neuen Zeit, München 1996, S. 65, zit. nach Lukas, E., Lehrbuch der Logotherapie. Menschenbild und Methoden, München 1998,214f.

2. Vgl. z..B. Kentenich, J., Vortrag für die Männerliga (02.10.1966), in: Ders., Geborgen im Vater-Gott. Ausgewählte Texte zum Gott-Vater-Jahr, Vallendar-Schönstatt 1998



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