Schönstatt - Begegnungen

Eine Familie, die wach auf die Zeitzeichen und Zeitströmungen reagiert und die offen für neue Wege ist

P. Ángel Strada: Predigt am 15. September in der Anbetungskirche

DOKUMENTATION
P. Ángel Strada, Postulador de la Causa del Padre Fundador, quien predicó en la Misa de 7.00 hs celebrada en la Iglesia de la Adoración, 15 de septiembre
Fr. Ángel Strada, Postulator in the process of canonization of Father Kentenich, who gave the sermon in the Mass at 7:00 AM
P. Ángel Strada, Postulator im Seligsprechungsverfahren von Pater Kentenich, er hielt in der Messe um 7.00 Uhr die Predigt.
Foto: Fischer © 2002

24. Sonntag im Jahreskreis
1. Lesung: Sir. 27, 30-28,7 2.
Lesung: Röm 14, 7-9
Evang: Joh. 21, 15-19

Liebe Schönstattfamilie!

"Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber...Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn."

Heute feiern wir die Eucharistie an dem selben Altar, an dem unser Vater und Gründer die letzte Heilige Messe feierte und zur selben Stunde, in der er vor 34 Jahren heimgeholt wurde."

Die eingangs zitierten Worte des Apostels Paulus sind an ihm in Erfüllung gegangen. Dr. Wolf hat uns gestern Abend in eindrucksvoller Weise aufgezeigt, dass die Spuren Gottes im Leben unseres Vaters und Gründers -besonders in der Milwaukeezeit -deutlich wahrzunehmen sind. Fünfzig Jahre nach seiner Ankunft in Milwaukee besinnen wir uns auf den geistigen Ertrag dieser ganz wichtigen Etappe im Leben des Gründers und der Gründung.

P. Kentenich hat nicht für sich selbst gelebt. Er war nicht auf der Suche nach individuellem Glück oder einem bequemen Leben, nach Macht, Prestige oder Erfolg. Seine persönliche Selbstverwirklichung fand er in der Verwirklichung des Willens

Gottes. Es war ein Wille, der ihn wunderbare Wegstrecken geführt hat: der gesegnete Anfang mit der ersten Generation der Sodalen, das fruchtbare und rapide Wachstum des Werkes in den zwanziger und dreißiger Jahren, der zunehmende Einfluss in der Kirche. Aber auch ein Wille, der ihn auf dunkle und zunächst unverständliche Wege brachte: die Verfolgung durch den Nationalsozialismus, das Konzentrationslager, schließlich das Exil in Milwaukee. "Ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst."

Als "Außenminister der MTA" Bundesgenossen gewinnen und in einer ferner Stadt im Schatten stehen

Diese an Petrus gerichteten Worte Christi wurden bei Pater Kentenich zur Realität. Nach Dachau wollte er nicht mehr nur in Deutschland, sondern international als "Außenminister der MTA" wirken und viele Bundesgenossen aus verschiedenen Völkern und Kulturen gewinnen. Nur wenige Jahre später wurde er in eine ferne Stadt in den USA geführt, seine Bewegungsfreiheit und vor allen seine apostolischen Möglichkeiten total eingeschränkt. Er sollte "im Schatten bleiben", getrennt von seiner Gründung. "Ein anderer wird dich führen wohin du nicht willst."

Hinein in die Kirche und als verdächtig eingestuft

Nach seiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager wollte Pater Kentenich "hinein in die Kirche", in deren Schoß das Schönstattwerk geboren wurde und in deren Dienst es lebte. Leidvoll musste er erfahren, dass diese Kirche sein Angebot nicht annahm. Vielmehr stufte sie es als verdächtig und gefährlich ein. Der Dialog und die sachliche Auseinandersetzung wurden bald durch Anschuldigungen und autoritative Maßnahmen ersetzt. Die Kirche der damaligen Zeit war für einen charismatischen Lebensaufbruch wie Schönstatt nicht vorbereitet. Der Heilige Geist musste das Konzil ins Leben rufen, um die Voraussetzungen für eine Annahme zu schaffen. Und unser Vater musste das Kreuz auf sich nehmen. Wenige Monate nach seiner Ankunft in Milwaukee schreibt er an P. Fischer. "Wenn Maria Christus neu in Schönstatt und von Schönstatt aus gebären will, dann schickt es sich, dass sie vornehmlich den Versuch mit mir macht. Selbstverständlich muss sich dann das Heilandsleben in allen Phasen - nicht zuletzt des Gekreuzigten, Verachteten wiederholen".

"Wir wollen bloß den Plan Gottes"

Weil er nicht für sich selber lebte, reagierte er auf die harte Prüfung wie sein Herr und Meister: mit der totalen Hingabe an die Wünsche Gottes. Sie äußerten sich gerade auch in diesen oft verwickelten und leidvollen Verhältnissen und Ereignissen. P. Kentenich folgte den Spuren eines Gottes, den er als weisen und barmherzigen Vater erkannte. Wenige Wochen vor Beginn der Verbannung, in der Oktoberwoche 1951, sagte er: "Wir wollen ja letzten Endes gar nichts anderes, als Gottes Sache zu vertreten. Er soll herrschen, nicht wir. Unsere Ehre darf zertreten werden, wir dürfen zermalmt werden, wir mögen verbannt werden, nur einer muss leben. Wer ist das? Gott und die Gottesmutter, das Reich Gottes muss überall triumphieren... Wir wollen ja die Familie nicht, wenn es "dem Plane Gottes nicht entspricht, wir wollen bloß den Plan Gottes" (OW 51, 63). Weil in diesem Plan Gottes vorgesehen war, dass er mit Christus gleichförmig werden soll, musste er das Kreuz auf sich nehmen. Die unbedingte Nachfolge Christi, Herzstück jedes christlichen Heiligkeitsstrebens, verlangt einen solchen Weg. Doch sie schenkt auch die Teilnahme an der Lebensfülle des auferstandenen Herrn. Erst dadurch erreicht die Liebe Christi ihre volle Wirkung in den menschlichen Herzen. Gerade in einer Milwaukeepredigt fragte Pater Kentenich: " Woher kommt es denn, dass unser christliches Leben oft so wenig Schwung hat, so wenig Frohsinn kennt und so wenig dynamische Kraft, Initiative, Eroberungsdrang? Woher kommt das alles? Wir bleiben am Kreuz hängen. Sicher, das ist viel, viel wert... Aber, aber! Was nützt uns das alles? ... Jedenfalls meine ich, klarer sagen zu dürfen, wenn wir nicht an die Teilnahme am göttlichen Leben und an all die Wirkungen dieser Teilnahme denken, dann bleiben wir halt im Kern Pessimisten, Kopf nach unten... Schon jetzt nehmen wir teil an den Eigenschaften des verklärten Heilandsleibes ...Wie beweglich war er! Plötzlich ist er da! Was das bedeutet? Plötzlich! Meine Seele soll also auch wach werden. Wofür? Beweglich soll sie sein, empfänglich soll sie sein...empfänglich für alle, alle, alle Anregungen, die der liebe Gott uns gibt... Was ist das etwas Großes, wenn der Mensch dem Heiland sein Kreuz freudig nachträgt und sich sagen darf: Auferstehen! Das bessere Ich, das Gotteskind in mir wird jetzt wach, steht auf' (Predigt am 25. April 1965, Aus dem Glauben leben, Vallendar 1994, Band 17).

Eine Familie, die Frohsinn, dynamische Kraft und Initiative entwickelt

Wünschen wir nicht alle eine bewegliche Schönstattfamilie, eine Familie die keinen Pessimismus pflegt, vielmehr Frohsinn, dynamische Kraft und Initiative entwickelt? Eine Familie die wach auf die Zeitzeichen und Zeitströmungen reagiert und die offen. für neue Wege ist? Steht damit nicht gleichzeitig das "bessere Ich" unserer Familie auf? Ersehnen wir nicht auch alle eine Kirche, die solche Merkmale hat, eine Kirche, die dem Anruf Christi: "Duc in altum" folgt und mit Gern Heiligen Vater im Gewoge des neuen Jahrtausends ohne Angst in die Zukunft schreitet?

Der neue Bischof von Trier erinnert in seinem ersten Hirtenbrief an ein Wort von Karl Rahner: "die Kirche soll nicht ein Ofen sein, der sich selber wärmt". Gleichzeitig nennt Bischof Reinhard Marx sein großes Anliegen: die Kirche soll ein Segen sein, sie soll fiir alle Menschen offen sein.

Die Begegnung mit ihm war ein Segen Gottes für uns...

Die Menschen, die Pater Kentenich in Milwaukee begegneten, sagten einstimmig aus: Die Begegnung mit ihm war ein Segen Gottes für uns. Wir haben keinen niedergeschlagenen Mann, keinen resignierten oder verbitterten Gründer erlebt. Nicht Untergangstimmung oder destruktive Kritik, sondern prophetische Orientierung und zuversichtlicher Glaube, das ist seine Botschaft. Prälat Wissing hat ihn gerne mit einer Nachtigall verglichen, die mitten in der Nacht singt. Unser Vater war kein Übermensch, sondern er konnte so sein, weil er einen Bund der Liebe mit Maria lebte, deren Existenz eine totale Verwirklichung der Wünsche Gottes ist und weil er sich mit den Seinen innerlich verbunden wusste. Je mehr die sichtbaren Zeichen dieser Verbundenheit in der Exilzeit verboten wurde, desto mehr wuchsen die unsichtbaren aber wirkungsvollen Fäden, die ein unzerreißbares Netz der gegenseitigen Solidarität zwischen Haupt und Gliedern bildeten. Unser Vater leistete Pionierarbeit in der Spurensuche nach dem Willen Gottes fiir seine Gründung und deren Dienst an Kirche und Welt. Die Gründung ging in seine Schule und tat das gleiche. Dadurch brachten die langen und schwierigen Jahre von Milwaukee Reifung und Wachstum.

Pater Kentenich verlor in den harten Exilsjahren nicht seine Menschenfreundlichkeit, seinen inneren Frieden. seine geistige Frische, seinen Humor. Es wird erzählt, dass eine Ordenschwester in Milwaukee von einer Marienschwester viel über die Person Pater Kentenichs hört. Sie beschließt, ihn zu besuchen. Direkt nach der Begrüßung sagt sie zu ihm: "Father, ich möchte eigentlich gar nichts von Ihnen. Ich möchte Sie nur anschauen, denn diese Schwester sagt, Sie seien ein Heiliger". Darauf Pater Kentenich prompt mit lautem Lachen: "Das kostet fünf Dollar!" (vgl. P. Locher, Mit Herz und Humor, Vallendar 1981, 134)

Lass uns offen und beweglich sein für die Anrufe Gottes durch alle Zeichen der Zeit...

Wir brauchen keine fünf Dollar, um seine heiligmässige Gestalt und sein Beispiel anzuschauen. Wir können vielmehr seinen Spuren folgen, uns in seine Gotteserfahrung hinein vertiefen und die Gottesmutter bitten: lass uns an seiner geistgewirkten Erfahrung der Führung Gottes Anteil haben. Lass uns in den schweren Stunden unseres Lebens das Kreuz Christi auf uns nehmen, wie du es getan hast. Heute ist Sonntag, Tag des Herrn, aber auch der liturgische Gedenktag deiner sieben Schmerzen. Deshalb bitten wir dich: Halte in der Kraft der Auferstehung deines Sohnes, jeglichen Pessimismus und alle Selbstgenügsamkeit von uns fern. Lass uns beweglich und offen sein für die immer neuen Anrufe Gottes durch die Zeichen unserer Zeit, durch die konkreten und vielseitigen Anliegen und Nöte der Menschen. Mache uns bereit, als Familie den Spuren unseres Gründers zu folgen, wie er und mit der gleichen Hochherzigkeit und Liebe auf die Führung Gottes einzugehen.



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