Schönstatt - Begegnungen

"Geistliche Kerne, von denen Leben ausgeht"

Essener Diözesanwallfahrt nach Schönstatt mit Weihbischof Grave

Auxiliary Bishop Grave, Essen, speaking to the pilgrims during the coffee break.
Weihbischof Grave, Essen, bei seiner kurzen Rede an die Pilger beim Kaffee
Interview with Auxiliary Bishop Grave - about his Schoenstatt experience, his vision of the church, his expectations...; interviewer: Sr. Gertrud-Maria Erhard.
Interview mit Weihbischof Grave über seine Schönstatterlebnisse, seine Erwartungen, seine Vision von Kirche; Interviewerin: Sr. Gertrud-Maria Erhard
Approximately 400 pilgrims had come from several places of the diocese of Essen.
Etwa 400 Pilger waren aus den verschiedenen Orten des Ruhrbistums gekommen
During the Marian celebration. The Pilgrim Mother was sent out to Duisburg.
Während der Marienfeier. Die Pilgernde Gottesmutter zieht es nach Duisburg
Prayer by the Original Shrine.
Gebet am Urheiligtum
One of the younger participants...
Eine der Jüngeren...
Auxiliary bishop Vorrath visiting the Schoenstatt Shrine in Essen-Kray.
Weihbischof Vorrath beim Besuch im Schönstattheiligtum in Essen-Kray.
Fotos: Peters, Schulte, Poß © 2002
 

SCHÖNSTATT, Sr. Elismatha Poß/mkf. "Wer sich an Gott hält, wird auch von Gott gehalten," so Weihbischof Franz Grave, Diözesanadministrator im Bistum Essen, bei der Wallfahrt am 29. Juni. Er knüpfte damit an ein Wort von Vikar Heinrich König an, Schönstattpriester aus Gelsenkirchen. Nach ihm wurde wenige Tage zuvor, am 24. Juni 2002, auf Betreiben der Kolpingfamilie Gelsenkirchen eine U-Bahn-Station benannt. Von Schönstatt wünscht sich Weihbischof Grave ein profiliertes Engagement in der pädagogischen Diskussion. Die kleinen Heiligtümer im Bistum Essen seinen geistliche Kerne, von denen Leben ausgehe. Etwa 400 Pilger aus verschiedenen Orten des Ruhrbistums waren nach Schönstatt gekommen.

Ein unvorhergesehener dringender Termin am Samstagmorgen hatte die Teilnahme von Weihbischof Grave an der Essener Bistumswallfahrt noch wenige Tage zuvor in Frage gestellt. Doch mit der Umstellung des Programms ­ Wallfahrtsgottesdienst statt um 10.30 Uhr um 14.00 Uhr ­ konnte Weihbischof Grave, dem diese Wallfahrt ein ehrliches Anliegen war, beide Verpflichtungen verbinden.

Die Botschaft von Heinrich König

Weihbischof Grave knüpfte an das Fest der heiligen Petrus und Paulus an, die keine Erfolgsgestalten waren. Doch war Christus die Nummer 1 ihres Lebens.

"Liebe ist stärker", das Motto unserer Pilgerfahrt. Als Beispiele dafür nennt der Weihbischof Vikar Heinrich König, Schönstattpriester aus Gelsenkirchen, und den kürzlich seliggesprochenen Nikolaus Groß aus Hattingen. "Wer sich an Gott hält, der wird auch von Gott gehalten!" ­ diese Aussage stammt von Vikar Heinrich König, der im KZ Dachau am 24. Juni 1942 gestorben ist. Nach ihm wurde am vergangenen 24. Juni auf Betreiben der Kolpingsfamilie Gelsenkirchen eine U-Bahn-Station benannt. Die U-Bahnstation ist direkt vor der Propsteikirche St. Augustinus, unter dem Heinrich­König­Platz, der bereits 1990 nach dem Schönstattpriester benannt wurde. Vikar König war an St. Augustinus Vikar und wurde dort wegen einiger mutiger Äußerungen über die Nationalsozialisten und Hitler verhaftet und nach Dachau verbracht. Im September will Kolping Gelsenkirchen, Bezirk Mitte, in Schönstatt die gleiche Bronzeplakette anbringen, die auch im Eingang der U­Bahnstation zu sehen ist. Eine dritte soll an seiner ersten Wirkstätte als Kaplan angebracht werden.

Weihbischof Grave meinte, dass die kindliche Vertrauenshaltung von Heinrich König, die in seinem Weihegebet an Maria sichtbar wird, besonders beeindruckt.

Dass das Leben gelingen kann

Gefragt, was ihn bewogen habe, trotz seines dicht gefüllten Terminkalenders und der unvorhergesehenen zusätzlichen Termine die Wallfahrt nach Schönstatt zu machen, antwortete Weihbischof Grave:

"Sie haben natürlich schon mit Ihren Fragen die Realität eines bischöflichen Alltags beschrieben, das ist so, dass der manchmal 'terminfüllig' ist, und weil das so ist, braucht ein Bischof umso mehr im hektischen Alltag die geistliche Besinnung. Ich habe dem Ansinnen, nach Schönstatt zu kommen, nicht gut widersprechen können, weil ich darin auch für mich eine geistliche Oase mitten im Alltag erblicke und vielleicht kann ich ein wenig mit dazu anregen, dass die so sehr vom Leistungsdruck bestimmten Menschen erkennen, dass sie die geistliche Dimension in dieser Welt nicht vergessen dürfen."

Die geistlichen Bewegungen und konkret Schönstatt sieht Weihbischof Grave "im Zentrum der Kirche." Konkret wünschte er sich von der Schönstattbewegung ein starkes Einbringen in den pädagogischen Dialog: " Was ich mir von Schönstatt in dieser Situation konkret wünsche ist, dass wir in der Diskussion über Pädagogik uns nicht verlieren in Äußerlichkeiten. Also, was ist Erziehung? Erziehung kann ja keine Information nur sein oder Technikvermittlung, sondern Erziehung muss von einem Menschenbild bestimmt sein und muss den Menschen helfen, dass sie in einer modernen Gesellschaft ihr Leben bewältigen und dass das Leben gelingen kann. Ich würde mir wünschen, dass Schönstatt sich in der augenblicklichen Diskussion um das rechte Verständnis von Erziehung nicht heraushält, sondern seine großen und wertvollen Erfahrungen einbringt. Wir brauchen ein inhaltlich definiertes Verständnis von Erziehung."

In Blick auf das Bistum Essen erklärte er: "Schönstatt ist eine Bewegung, die in unserem Bistum ein Profil und einen Namen hat. Die kleinen Heiligtümer sind auch in unserem Bistum geistliche Kerne, die gesucht sind und von denen geistliches Leben ausgeht."

Damit die Menschen Gott nicht vergessen

Und was wünscht sich Bischof Grave in Blick auf die Kirche? "... dass die Kirche ihre Innenbetrachtung einstellt, am besten ganz, und dass wir zu dem Eigentlichen zurückkommen, was Kirche ist: die Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da, sondern die Kirche ist ein Instrument, und wir müssen den instrumentalen Charakter der Kirche klar im Blick behalten. Wenn wir bei der Kirche selbst stehen bleiben, dann sind wir oft mit uns selbst beschäftigt. Die Kirche steht aber im Dienst der Verkündigung Gottes. Dass die Menschen Gott nicht vergessen und dass sie Gott wiederfinden in einer säkularisierten Welt, das ist die Aufgabe von Kirche und die Aufgabe der Glieder der Kirche, und das bedeutet auch ­ wir haben heute das Fest der Apostel Petrus und Paulus ­, dass die Kirche sich auf den Weg zu den Menschen macht und nicht bei sich selbst stehen bleibt und ständige Selbstreflexion macht.

Das Ruhrgebiet ist eine Region, in der die Kirche sehr stark mit den alltäglichen Dingen zu tun habe. Ich glaube, dass die Herausforderung und die Aufgabe von Kirche darin besteht, dass wir in einer Konsumgesellschaft, wo das Konsumismusideal die Menschen dermaßen in Anspruch nimmt, dass in einer solchen Situation auf die viel größere Realität von Gott aufmerksam gemacht wird und wir das Evangelium verkünden ­ das ist meine Vision."

Kraft, um den Alltag zu bewältigen

Was war das stärkste Erlebnis dieser Wallfahrt? Weihbischof Grave: "Das stärkste Erlebnis heute war der Gottesdienst jetzt, in dem Jesus Christus unsere Mitte ist, das war die Begegnung mit den Menschen und das Erlebnis, dass wir solche Orte brauchen. Wir brauchen solche Orte der Sammlung, damit wir diese Erfahrung wieder machen können, die Erfahrung der größeren Zahl, die Erfahrung der Übereinstimmung im Glauben und im Leben, in Fragen auch des sittlichen Lebens, die Erfahrung auch von wirklicher Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit. Das sind starke Erlebnisse, die auch für den Alltag wichtig sind. Ich habe diese Wallfahrt heute nicht erlebt als ein frommes Erlebnis auf einer frommen Insel, sondern als ein geistliches Erlebnis, das Kraft gibt, den Alltag zu bewältigen."

Beim Nachmittagskaffee verabschiedete sich Weihbischof Grave von den Wallfahrern. "Ich habe heute Schätze entdeckt," meinte er. "Es gibt in unserem Bistum viel mehr geistliche Schätze, als wir normalerweise annehmen. Ich freue mich über diese Wallfahrt, das ist wie eine Entdeckungsreise für mich." In einer Wüstensituation wie sie Christen heute erleben, so meinte er, könne man nur bestehen, wenn man in dieser Wüste Oasen aufsuche. Eine solche Oase sei Schönstatt. Schönstatt sei eine geistige Zelle, die sich im Bistum noch mehr ausbreiten müsse.

Am Vormittag der Wallfahrt hatte es verschiedene Angebote im Tal und auf dem Berg gegeben. Die Kinder haben sich auf ihre Art Schönstatt erobert, die größeren Jungen nicht zuletzt auch beim Fußballspiel.

Bei der abschließenden Marienfeier wurde ein Bild der Pilgernden Gottesmutter in die Pfarrei St. Gabriel in Duisburg ausgesandt. Alle Pilger zogen zum Schluss von der Pilgerkirche in Prozession zum Urheiligtum, um sich von dort neu senden zu lassen.

Ende Juli feierte Weihbischof Franz Vorrath von Essen sein vierzigjähriges Priesterweihejubiläum, zu dem ihm die Schönstattfamilie herzlich gratulierte. Am 10. Mai war er im Rahmen einer Firmvorbereitung des Dekanates Essen-Steele spontan ins Essener Schönstatt­Heiligtum gekommen. Der jüngste Weihbischof des Bistums Essen, der am 9. Juli 65 Jahre alt wurde, ließ sich bei seinem Erstlingsbesuch das Heiligtum und seine Geschichte erklären.

Mit Beiträgen von Michael Schulte, Irmhild Peters, Sr. Elismatha Poß.

Das Interview mit Weihbischof Grave führte Sr. Gertrud­Maria Erhard im Auftrag von PressOffice Schönstatt.



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Last Update: 16.08.2002 13:55 Mail: Editor /Webmaster
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