Schönstatt - Begegnungen

Vom Aufstrahlen des Antlitzes Christi in seinen Heiligen

Dr. Peter Wolf: Predigt zum 33. Todestag unseres Vaters und Gründers - Anbetungskirche 15.9.2001

Thronender Christus, Chorfenster im Münster zu Heiligkreuztal
Chorfenster im Münster zu Heiligkreuztal
Heiligendarstellung im Chorfenster zu Heiligkreuztal: St. Katharina
Heiligendarstellung im Chorfenster zu Heiligkreuztal: St. Verena
Bilder: Beuroner Kunstverlag ©
Msgr. Dr. Peter Wolf (Archivbild)
Foto: POS, Brehm © 2001
DOKUMENTATION

Liebe Schönstattfamilie, liebe Schwestern und Brüder!

Noch haben wir vor uns die schrecklichen Bilder dieser Woche. Die brennenden und qualmenden Bürotürme des World Trade Centers von Manhattan, getroffen von Flugzeugen, die als fliegende Bomben mißbraucht wurden. Oder das Bild vom Morgen danch: Wie hinter der qualmenden Stadt New York die Sonne aufgeht. Auf der ganzen Welt verfolgen Menschen diese Bilder und sind betroffen und geschockt. Niemand kann sich der deprimierenden Macht dieser Bilder und Ereignisses entziehen.

Ich möchte das Schreckliche nicht wegschieben, aber bewußt ein anderes Bild daneben stellen. Eines, in dem ebenfalls die Sonne aufgeht. Ich meine das große Chorfenster des Klosters Heiligkreuztal, das einst Zisterzienserinnen als zentrales Fenster für ihre tägliche Liturgie haben fertigen lassen.

Es zeigt oben im gotischen Spitzbogen Christus als aufgehende Sonne. Alles an diesem Christusbild ist von der Sonne und den Farben des frühen Morgenhimmels genommen. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang fällt auf dieses Bild das erste Licht. Christus als die Sonne des Heils strahlt auf in der Kirche.

Etwas vom Licht Christi sichtbar machen

Dann wandert die Sonne auf dem großen gotischen Kirchenfenster von oben nach unten und verteilt sein Licht auf die vielen einzelnen Felder des Fensters, das lauter Heilige darstellt. Ein Heiliger, eine Heilige nach der anderen erscheinen im Licht. Maria, die Mutter des Herrn. Petrus, Johannes und Paulus, die ersten Gefährten und Zeitzeugen des Herrn, dann Frauen und Männer der ersten christlichen Jahrhunderte, die Christus mit ihrem Blut bezeugt haben. Und schließlich Benedikt, der Vater des Abendländischen Mönchtums und Bernhard von Clairvaux, der eigene Gründer. Heilige für jede Zeit. Sie alle hatten die Aufgabe, etwas vom Licht Christi sichtbar zu machen und in ihre Zeit hineinzustrahlen.

Leuchten des Antlitzes Christi

Auch in unserer Familie lebt die Freude und Gewissheit, daß wir einen Gründer haben, in dem wir etwas vom Leuchten des Antlitzes Christi für unsere Zeit erfahren durften und dürfen. Diese Freude führt uns heute morgen zusammen an dem Ort, wo er vor 33 Jahren von uns gegangen ist und - wie wir glauben - hineingenommen wurde in Gottes ewiges Licht. In uns lebt die Hoffnung, daß die Kirche diese Gewissheit bald mit uns teilen und ihn zur Ehre der Altäre erheben wird. Dann werden auch wir ihn voll Freude einreihen dürfen in die große Schar derer, die als die Heiligen der Kirche voran leuchten und Christi Licht für ihre Zeit verdeutlichen. Mir hat sich das eben beschriebene Glasfenster tief eingeprägt, seit ich mir einmal den Schlüssel für die Kirche habe geben lassen und in aller Frühe mich in diese Kirche gesetzt habe. Bald konnte ich wahrnehmen, daß da Licht des großen Heiligenfensters, sich auf die Bänke der Kirche legte und damit auf die, welche hier sich zum Gebet versammeln. Auch sie alle sollen teilhaben am Licht der Christussonne und an seiner Heiligkeit. Dieses Bild und meine Gedanken damals möchte ich gern zu dem anregenden Vortrag von P. Angel Strada gestern Abend dazulegen. Jesus behält sein Licht nicht für sich. Er läßt es in seine Kirche und Welt hinein strahlen in vielen Gesichtern, in vielen Heiligen immer neu und originell. Und er schafft auf diese Weise immer neu Gemeinschaften und geistliche Familien, die aus dem gleichen Ideal der Heiligkeit leben.

Eine Schule der Heiligkeit

Daß es unserem Vater sehr bewußt war, der Kirche unserer Zeit einen neuen Typ des Heilgen schenken zu dürfen, ist gestern abend sehr deutlich geworden. Ja er hat geradezu eine "Schule der Heiligkeit" eröffnet und ein Leben lang "Lehrstoff" und Anschauungsmaterial für seine Familie gesammelt. Wie stark unser Vater von Anfang an eine "Pädagogik der Heiligkeit" im Auge hatte, wird bereits in der Gründungsurkunde sichtbar. Unmittelbar nachdem er den Jungen seinen Lieblingsgedanken mit dem Heiligtum vorgelegt hat und spüren konnte, daß sie ihn verstanden haben und Feuer gefangen haben, geht er aufs Ganze und spricht von der Heiligkeit: "Wie für unseren zweiten Patron, den hl. Aloysius, eine Muttergotteskapelle in Florenz, so soll für uns die Kongregationskapelle die Wiege der Heiligkeit werden." (Schönstatt Die Gründungsurkunden S. 25). Und das ist ganz offensichtlich Wirklichkeit geworden für nicht wenige in unserer geistlichen Familie. Angefangen von unserem Vater selber über Josef Engling, Karl Leisner, Sr. Emilie, Joao Pozzobom , Mario Hiriart bis zu vielen anderen, die wir nicht kennen.  

Das Heiligtum - Wiege der Heiligkeit

Was ist es um dieses kleine Heiligtum, das unser Vater "die Wiege der Heiligkeit" nennt? Mag sich mit "Schule der Heiligkeit" die Anstrengung und Mühe des Heiligkeitsstrebens verbinden, so weckt das Bild von der "Wiege der Heiligkeit" eher das Moment der Geborgenheit. Da sorgt jemand für unsere Heiligkeit. Da gibt es einen mütterlichen Einfluß. Ja es ist ohne Zweifel die Gottesmutter, von der solche Sorge und Einfluß ausgeht. Gewiss können wir bestätigen, daß wir diese Wirkung kennen, auch wenn wir die "Reifeprüfung" der Heiligkeit noch nicht bestanden haben. Wer eine Weile in diesem Heiligtum ist, innerlich zur Ruhe kommt, kann es spüren. Da ist eine Atmosphäre, die mir gut tut, die mich öffnet für Gott und Göttliches. Unsere Jugend und nicht nur sie singt gern das Lied "Im Anschau‘n Deines Bildes", ein wunderschöner Kanon, der diese Erfahrung ins Wort bringt. Im Anschau‘n Deines Bildes, da werden wir verwandelt in Dein Bild." Zugegeben, manchmal dauert es eine Weile, bis die Bilder eines Tages sich ordnen, bis der Film der täglichen Eindrücke zum Stehen kommt. Bis es synchronisiert ist, mit dem, was Gottes Liebe zu diesem Tag zu sagen hat. Wir bringen die Welt mit, die kleine um uns herum, die Welt unseres Berufes, die Welt, wie sie in den Nachrichten uns manchmal umtreibt. Unser Vater wollte, daß wir Christen mitten in der Welt sind, unsere Welt lieben, für sie und in ihr engagiert sind. Er wollte, daß wir weltfähig sind, uns einlassen und einmischen. Aber wie geschieht es, daß uns dies nicht gefangennimmt, daß wir in alledem in Gott unsere Bleibe haben und alles in seinem Licht sehen lernen.  

Wo Gott und Welt zusammenkommen

Unser Heiligtum ist der Ort, wo wir mit unserer Mutter immer neu Gott und Welt zusammenbringen. Auch in einer Woche, wo dies so schwer ist wie in dieser. Wir brauchen diesen Ort, wo wir lernen, die Spannung auszuhalten mitten in der Welt zu stehen und gleichzeitig ganz jenseitige Menschen, sein zu wollen, die bei Gott daheim sind. Unser Vater hat diese Spannung, die den modernen Heiligen ausmacht, durchgetragen, weil er zu hause war im Heiligtum – im Heiligtum drunten im Tal, in den Filialheiligtümern, im Hausheiligtum und Herzensheiligtum. Von ihm wollen wir uns heute neu einladen lassen, unser Heiligtum als Wiege der Heiligkeit zu nutzen. Je mehr wir diese Chance ergreifen, desto mehr entsprechen wir seinem großen Anliegen, der Kirche eine Heiligkeitsbewegung für unsere Zeit zu schenken.

 



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Last Update: 18.09.2001 13:38 Mail: Editor /Webmaster
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