Schönstatt - Begegnungen


Predigt im Requiem für Monsignore Werner Krimm im Hohen Dom zu Mainz

Professor Dr. Dr. Karl Lehmann, Bischof von Mainz – 25. Oktober 2000

Liebe Schwestern und Brüder!

Als ich Werner Krimm in den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte, hat er mir eine kleine Begebenheit erzählt, die ihn wohl selbst tief charakterisiert und die ihm für sein Leben wichtig geworden ist. Er hat mir erzählt, wie er in den sechziger Jahren Pater Kentenich persönlich sprechen konnte und wie er von ihm viele Hinweise für seinen eigenen Weg erhielt. Ein Wort hat ihn dabei offenbar ganz besonders geprägt: "Lesen Sie nicht nur in Büchern, sondern mehr noch in den Herzen der Menschen." Das muss ihn getroffen haben. Daraus kam die große und leidenschaftliche Zuwendung gerade auch zu vielen einzelnen Menschen. Darin sah er seine Lebensaufgabe. Manchmal hat er sich gefragt, ob es für ihn nicht besser gewesen wäre, Pfarrer zu sein und längere Zeit einer Gemeinschaft vorzustehen. Aber besonders in den letzten Wochen seines Lebens durfte er erfahren, wie viel guten Samen er durch seinen Weg in viele Herzen von Menschen legen durfte. Ja, er hat diesen Satz von Pater Kentenich wörtlich erfüllt: "Lesen Sie nicht nur in Büchern, sondern mehr noch in den Herzen der Menschen." Weil er dadurch so vielen Menschen helfen und sie ermutigen durfte, darum sind heute so viele hier. Sie haben dies erfahren und können es bezeugen. Ungeheuer viele Menschen – aus allen Lebenssituationen kommend – hat er begleitet. Äußerste Diskretion war ihm dabei selbstverständlich. Was er im Umgang mit vielen Einzelnen erfahren und gelernt hatte, das hat er mehr und mehr in Exerzitien, ja besonders auch als Ordensreferent in unserer Diözese weitergeben dürfen.

Vom Vorsehungsglauben Pater Kentenichs geprägt

Werner Krimm ließ den Menschen einen weiten Raum. Immer wieder hat ihn das Wort aus Psalm 18 motiviert, wo es heißt: "Du führst mich hinaus ins Weite." Weil er den Menschen innere Freiheit und einen weiten Raum ließ, darum konnte er sie auch in so intensiver Weise begleiten. Er suchte mit ihnen nach den Spuren und dem Willen Gottes. Er war überzeugt: Heilsgeschichte vollzieht sich auch in der Lebensgeschichte des einzelnen Menschen. Welchen Weg will Gott mir dir gehen? Das war eine Frage, die ihn in seinen Begleitungsgesprächen bewegte. Er war fest überzeugt. Dass auch in schwierigen Situationen und in verfahrenen Lebenslagen immer wieder Zeichen der Hoffnung gefunden werden können. Alles war ihm durchsichtig auf den Herrn hin. Er hat alles abgefragt, die nachrichten des Tages wie auch die kleinen Ereignisse. Das hat er als Mystik im Alltag verfolgt. Dabei war er vom Vorsehungsglauben Pater Kentenichs geprägt: Wohin will Gott den Menschen führen? Was hat er mit ihm vor? Diese Frage erwog er nicht nur mit einzelnen, sondern schließlich auch mit Gemeinschaften und Konventen, ja auch mit Pfarrgemeinden.

Werner Krimm war zuversichtlich. Ich durfte dies auch beim letzten Besuch noch erfahren. Aber er war ebenso äußerst nüchtern. Bei all der wohlwollenden Art mit Menschen umzugehen, hatte er auch lange, lange Erfahrung im Umgang mit ihnen. So hat er manches glasklar diagnostiziert. Erst so konnte er dann auch wirklich helfen.

Großzügig und weit – wirklich Zeuge in der Schule

Viele sind hier – und ich freuen mich darüber – weil er ihr Religionslehrer war. Dreißig Jahre kommen alles in allem zusammen. Er war ein genialer Seelsorger in der Schule. Auch wenn es das Wort vielleicht noch gar nicht gab und nicht in dieser Form organisiert war, so gehört er – denke ich – zu den Gründern der Schüler- und Schulseelsorge. Beispielhaft hat er dies über Jahrzehnte am Willigis-Gymnasium praktiziert. Ich habe mir sagen lassen, dass zeitweise bis zu 4o Jugendgruppen am Willigis-Gymnasium tätig waren. Aus allen möglichen Verbänden hat er Engagement und Initiativen gefördert. Auch da war er großzügig und weit, verschiedene Wohnungen sozusagen zu bereiten. Oft war er bei fünf bis sechs Zeltlagern im Sommer aktiv dabei. Da war einer am Werk, der wirklich Zeuge in der Schule war, ohne es an gediegener Theologie und Religionspädagogik fehlen zu lassen.

Viele hat Werner Krimm für den Glauben gewonnen, viele auf ihrem Lebensweg begleitet: In Ehe und Familie hat er über Höhen und durch Krisen viele gestützt und gestärkt und durch viele Schwierigkeiten hindurch zu ihnen gehalten.

Schönstattbewegung und Einsatz für das Bistum zusammengebracht

Wir danken ihm ganz besonders aber auch, dass er seit 13 Jahren in unserem Bistum die Sorge für die Ordensgemeinschaften, die Säkularinstitute und die geistlichen Bewegungen übernommen hat. Er hat Vertrauen geschaffen und unermüdlich immer wieder Besuche gemacht. So hat er in unserem Bistum immer stärker eine gute Verbindung zwischen den Ordensgemeinschaften und dem Bistum geschaffen. Ich danke ihm ganz besonders zusammen mit Schwester Birgitta, dass er in diesen Jahren mit vielen Schwestern und Brüdern immer wieder Veranstaltungen mit aufgebaut hat, immer wieder auch gemeinsame Exerzitien vorgeschlagen und durchgeführt hat, dass er den Ordensrat im Bistum zu einer Anerkennung führte und immer wieder Brüder aus den geistlichen Gemeinschaften gewinnen konnte.

Werner Krimm hat – so denke ich – aber darüber hinaus in einer ganz vorbildlichen Weise die Schönstattbewegung mit dem Einsatz im Bistum zusammengebracht. Nie habe ich irgendeinen Riss oder eine Spannung dazwischen festgestellt. Das ist ein besonderes Geschenk seines Lebens für unsere Diözese. Wie viele junge und erwachsene Menschen konnte er für diesen Weg begeistern. Dadurch hat er ganz besonders segensreich gewirkt. Aber es gab bei ihm keine Rivalität, keinen falschen Wettbewerb, auch nicht irgendein merkwürdiges Schielen von der einen zur anderen Seite hin, auch keinen stillen Vorwurf. Er war fest überzeugt, wenn jemand aus der Schönstattbewegung bereichert seinen Dienst tut, ist dies auch zugleich ein Segen für die konkrete Ortskirche ebenso wie für die Weltkirche.

Kraft aus dem marianischen Glauben

Darum wollen wir ihm für dies alles von ganzem Herzen danken. Und da war wirklich Weite in seinem Leben, Weite durch den Geist Gottes. Weite auch durch die Heiterkeit im Glauben, durch die Zuversicht mitten in Hoffnungslosigkeit. Darum hat er auch gerade so viel Kraft aus der Verehrung Mariens gezogen. Sie war die Frau, die offen war für viele Anrufe, für unwahrscheinliche Anrufe Gottes, die man gar nicht für menschenmöglich hält. Werner Krimm blieb offen und sensibel für den Willen Gottes, auch wenn es ungewöhnlich erschien. Da war eine große Kraft aus dem marianischen Glauben für die Begleitung vieler Menschen, und nicht zufällig war ihm die Muttergottes zusammen mit Johannes unter dem Kreuz – wir haben es eben im Evangelium gehört – ein ganz persönliches und wichtiges Motiv: auszuhalten, dabei zu bleiben, auch in bitteren Stunden nicht davonzulaufen. Wir viele durften dies erfahren. So wollen wir, meine verehrten, lieben Schwestern und Brüder, an diesem Tag von Herzen danken: ihm, seiner Familie, der Haushälterin, allen Freunden, die gerade in den letzten Wochen ganz nahe immer bei ihm waren. Ich darf hier ganz besonders Herrn Professor Hubertus Brantzen nennen, aber auch die vielen, die ihm ein klein wenig in diesen letzten Wochen zurückgeben wollten, was sie von ihm empfangen haben. Denn er war ein Mann des Austausches, der Gaben, ein Mann, der dies ganz still ohne große Worte gemacht hat und gerade so für uns ein wirklicher Begleiter und ein wirklicher Meister des geistlichen Lebens geworden ist, ein wahrer Seelsorger nach dem Herzen des Herrn.

Wir haben zu danken für sehr vielen und wollen zugleich bitten, dass der Herr uns immer wieder Priester mit diesem Herzen schenkt. Amen.



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